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Malte Stolpe hat als Tramper 42000 Kilometer zurückgelegt

SPRINGE. Dieses Gefühl, an der Straße zu stehen, zu warten, zu hoffen und bei diesem Wetter zu frieren, Malte Stolpe kennt es, liebt es, vielleicht ist er mittlerweile sogar ein wenig süchtig danach. Der Bennigser trampt für sein Leben gern. Mittlerweile ist er sogar Mitglied der Deutschen-Tramp-Sport-Gemeinschaft –

Trampen in der Bahnhofstraße: Malte Stolpe wartet auf eine Mitfahrgelegenheit. FOTO: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Die nimmt an nationalen Wettbewerben teil. Die Mitglieder der Gemeinschaft haben sich jetzt in Springe getroffen.

Kein Ruhm, kein Preisgeld – aber als Gewinner fühlte sich Stolpe trotzdem, als er den ersten Platz bei einem Tramper-Rennen im Wendland gemacht hat. Und er freut sich schon auf die nächsten Rennen; das erste findet Ostern statt. Es wurde jetzt in Springe geplant.

„Die Rennszene ist bislang sehr überschaubar“, sagt der Tramper vom Deister. Und auch die Zahl der Menschen, die ganz ohne Team dahinter mit einem Daumen nach oben gestreckt an den Straßen stehen, ist gering und wird stets kleiner. Schade, findet Stolpe: „Das macht einen Riesenspaß, weil man alle möglichen neuen Leute kennenlernt und weil es ein wenig abenteuerlich ist“.

Entdeckt hatte der Student seine Leidenschaft fürs Trampen im Sommer 2015. Damals buchten er und ein Freund einen Flug nach Tampere, in die drittgrößte Stadt Finnlands. Der Flughafen liegt allerdings 17 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. „Und wir wussten nicht, dass es einen Shuttle-Bus in die City gibt“, erinnert sich der Profi-Tramper an das erste Mal als Anhalter. „Wir mussten nur eine Minute warten, dann wurden wir schon mitgenommen.“

Später spendierte der Fahrer den beiden sogar einen Rundflug per Cessna über die Stadt. Das hatte sich gelohnt – „und das hat mich inspiriert“, bekennt Stolpe.

Mittlerweile haben ihn 450 Fahrer rund 42 000 Kilometer weit gefahren – rechnerisch einmal rund um den Äquator. Seine Lieblingsmethode ist die klassische, mit dem Daumen nach oben am Fahrbahnrand: „Der Vorteil ist, dass dann wirklich die halten, die entweder mal selbst getrampt sind, oder die Lust haben, sich mit einem Beifahrer zu unterhalten.“ Allzu lang muss der Tramper meist nicht warten. In der Regel findet er spätestens nach 20 Minuten eine Mitfahrgelegenheit, sagt er.

Wenn es ganz schwierig wird, geht er meist in eine Tankstelle. „Da spreche ich die Leute dann direkt an, frage freundlich, wohin sie fahren – und ob sie bereit wären, mich mit zunehmen.“

Der Sport rund ums Trampen hat sich in Russland entwickelt und wird vorwiegend dort, aber auch in Osteuropa praktiziert. In Deutschland finden sich mittlerweile einige Enthusiasten, die Gruppentreffen und Rennen organisieren. Die funktionieren so: Eine Strecke ist festgelegt, die Rennteilnehmer bewältigen sie per Anhalter, wer zuerst da ist, gewinnt. Mithilfe von vereinbarten Kontrollpunkten wird kontrolliert, dass niemand schummelt.

„In Springe funktioniert das Trampen eigentlich sehr gut“, sagt der Profi, der die Erfahrung gemacht hat, dass Tramper in der Regel in ländlichen Gegenden erfolgreicher sind als in großen Ballungsgebieten mit viel Verkehr.

Das nächste organisierte Rennen, das Ostern in Mecklenburg stattfinden soll, haben die Tramper übrigens am Deister geplant. Zur Anreise für ihr Gruppentreffen waren sie – natürlich stilecht – als Anhalter unterwegs. Wider Erwarten waren trotzdem alle pünktlich vor Ort.

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