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Lüdersen: Windkraft versus Vogelschutz

LÜDERSEN. Wäre diese Geschichte ein Krimi, sie würde wohl vor allem Naturfans anziehen. Tasächlich landet dieser seltsame Fall aus Lüdersen nun akribisch notiert in einem Dokument für die Bundesregierung. Und soll helfen, Veränderung im Großen anstoßen. Zum Schutz von Tieren, die sonst verschwinden.

Alexander Heyd dokumentiert Greifvogelverfolgung und Tötung für die Organisation „Edgar“. In Lüdersen hat Heyd zwar keinen toten Rotmilan gefunden – trotzdem beschäftigt ihn der Fall einer Weide, die die Initiative „Gegenwind Lüdersen“ vor deren Fäll
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Im Mittelpunkt steht eine Weide – oder besser: keine Weide. Urplötzlich war im Januar der stattliche Baum in der Feldmark östlich von Lüdersen verschwunden (wir berichteten). In der Weide hatte aber nach Überzeugung von Naturliebhabern ein Rotmilanpaar gebrütet. „Von meinem Fenster aus konnte ich sehen, wie sie genau diesen Baum angeflogen haben“, sagt die Lüderserin Genja Gerber.

Fotos von der Weide aus dem Sommer 2016 zeigen den Horst. Auf Satellitenbildern im Internet ist der Baum auch noch zu sehen. Von schwerem Gerät und Arbeitern, die ihn bei Frostverhältnissen mitsamt Wurzeln aus dem Boden zogen, bekam Gerber dagegen nichts mit.

Der Fall ist besonders pikant, weil die Weide wenige hunderte Meter Luftlinie von der dortigen Windkraft-Vorrangfläche entfernt stand. Nach einer Empfehlung der deutschen Vogelschutzwarten darf 1500 Meter von Rotmilanhorsten jedoch keine Windkraftanlage gebaut werden. Zu viele Tiere haben sich bereits die Flügel gebrochen. Die Initiative „Gegenwild Lüdersen“ vermutete, Baumfällung und Windkraftpläne könnten zusammenhängen, erstattete Anzeige – die jedoch im Sande verlief.

Interessiert hat sich dafür trotzdem Alexander Heyd vom Verein Edgar (Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität). „Bei uns landen 80 Prozent aller Anfragen nach radikaler Prüfung im Müll, hier aber spricht alles dafür, dass mit voller Absicht ein Horst beseitigt wurde“, sagt er. Hauptsächlich hat der Bonner Naturschützer es mit vergifteten oder gewilderten Greifvögeln zu tun, die wahlweise die Interessen von Hühnerhaltern oder Niederwildjägern gestört haben. „Bei dem Fall in Lüdersen haben wir es mit einem schwer fassbaren Phänomen zu tun“, sagt er.

Ein Interessenkonflikt, den Heyd von seinem Schreibtisch aus nachvollziehen kann. „Früher hatten wir ein bis zwei solcher Fälle, heute sind es 20 bis 25 pro Jahr“, nennt er Zahlen

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