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Am Otto-Hahn-Gymnasium steht Golf auf dem Lehrplan

Lesen, schreiben, putten

Springe. Wo ist er denn jetzt, der ältere reiche Herr mit Sportwagen und Aktienpaket, Ferienhaus auf Sylt und Stammplatz im Clubhaus? Hier auf dem Golfplatz zwischen Springe und Bad Münder jedenfalls nicht: Stattdessen widerlegen hier gerade 24 Jugendliche in Jeans und Pullover das alte Klischee vom elitären Golfsport. Am Otto-Hahn-Gymnasium ist er sogar Teil des Unterrichts.

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VON CHRISTIAN ZETT

Jede Woche sind die Elftklässler seit den Sommerferien hier auf den Platz gekommen, für viele von ihnen war es die erste Erfahrung mit Golf. Alle haben sich freiwillig für diesen Schwerpunkt entschieden. „Ich fand es interessant, das mal auszuprobieren. Da hat man ja sonst nicht unbedingt die Möglichkeit zu“, sagt Julien Böhm.

Er und seine Mitschüler haben in den vergangenen Wochen von Golflehrer Thomas Hennig das kleine Einmaleins des großen Sports gelernt: die richtige Technik, die richtigen Schläger für den richtigen Moment, den Unterschied zwischen „pitchen“ (hoch schlagen), „chippen“ (flach schlagen) und „putten“ (einlochen). Von Lehrer Edgar Bartsch gibt es natürlich am Ende eine Note.

Julien Böhm steht jetzt an der Driving Range, wo die Schüler lange Schläge üben können. Der 17-Jährige konzentriert sich, holt aus – und schaut dem Ball hinterher, der sich auf das Grün senkt. Neben Böhm steht Margaux Haun. „Mein Vater spielt schon lange Golf“, sagt die 16-Jährige. Sie will auch nach Ende des Sportkurses weiterspielen – die Platzreife ist ihr großes Ziel.

An sie will Golflehrer Hennig die Schüler heranführen: Es handelt sich um eine Erlaubnis, eigenständig auf der Anlage Runden zu spielen. Wichtig dafür sind neben Spielkenntnissen und einer gewissen Rundengeschwindigkeit auch Dinge wie die Etikette auf dem Golfplatz. Dazu gehört auch die Sicherheit: „Mit Ball und Schläger kann man sich und andere erheblich verletzen“, sagt Hennig.

Die Schüler trainieren hauptsächlich auf der Driving Range und auf der Drei-Loch-Kurzbahn. Beide Einrichtungen kann übrigens jeder Gast des Golfplatzes kostenfrei nutzen.

Nebenan am Sandbunker schlagen Niclas Meyer und seine Mitschüler. Hinter ihnen fährt der umgebaute Golf, der mit einer speziellen Korb-Vorrichtung die weggeschlagenen Bälle einsammelt.

Außer dem Oberstufen-Kurs gibt es am Otto-Hahn-Gymnasium noch eine Golf-Arbeitsgemeinschaft für Fünft- bis Neuntklässler. Unterstützt und gefördert werden beide Angebote unter dem Motto „Abschlag Schule“ vom Deutschen Golf-Verband und der Vereinigung clubfreier Golfspieler. Das Projekt finanziert für die jüngeren Schüler etwa die An- und Abreise per Bus oder Taxi.

Wer von den Schülern nach Ende des Kurses bei der Stange bleibt, vermag Hennig nicht zu sagen: „Viele ziehen ja auch nach dem Abitur erst mal weg oder haben andere Prioritäten.“

Einen richtigen Golf-Schub erhofft sich der Lehrer unter anderem, wenn der Sport 2016 in Rio de Janeiro nach 112 Jahren wieder olympisch wird. Bis dahin wird am Deister noch viel geübt.

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