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Paar aus Springe berichtet über Mobbing, Bedrohung und jahrelange seelische Gewalt

Leben in Angst – und niemand kann helfen

Springe (ric). Die Angst begleitet sie wie ein Schatten. Sie fürchten um ihr Leben, werden bedroht, eingeschüchtert, gemobbt – mitten in Springes vermeintlichem Kleinstadtidyll. Er ist 52, sie 43. Seit mehreren Jahren sind sie ein Paar. Was für sie das Schlimmste ist: Kaum jemand nimmt ihre Sorgen ernst, niemand kann wirklich helfen.

Das Springer Amtsgericht: Dort wurde gegen den vorbestraften Gew

Ihre Namen wollen die beiden nicht veröffentlicht sehen, sie befürchten noch stärkeren Terror. Gerade erst standen ihre Feinde vor der Tür, junge Männer, gewaltbereit. Um Mitternacht traten sie die Tür ein, die Opfer riefen die Polizei. Als die kam, fehlte von den Tätern schon jede Spur. „Die Beamten sind noch nicht einmal zu uns hereingekommen, dabei hätten die Täter ja im Haus sein können“, berichtet der 52-Jährige.

Auf der Wache am Burghof sind die Springer inzwischen Dauergäste. „Wir haben der Polizei versucht zu verdeutlichen, dass es so nicht weiter geht.“ Dort habe man ihnen geraten, die jungen Männer zu ignorieren, die ihnen das Leben zur Hölle machen. „Das ist das Problem: Man kann Angst schlecht messen, die seelische Gewalt kommt mir wie ein rechtsfreier Raum vor“, sagt der Mann.

Vor mehreren Jahren fing die Geschichte an. Sie handelt von verschiedenen Kulturen, von Migrationshintergründen, Drogen und einer gescheiterten Ehe. Und sie dreht sich um Macht und Ehre. Seitdem hat der 25-jährige potenzielle Täter seine eigene Tante, die 43-Jährige, als Schuldige ausgemacht. Er beleidigt sie, er pöbelt sie und ihren Lebensgefährten in der Öffentlichkeit an. Er ist vorbestraft. In der voll besetzten S-Bahn droht er seiner Tante, ihren Freund zu „killen“. Verschärft wird die Situation durch das Zusammenleben der beiden, er kennt ihn von früher, beide wohnen in derselben Gegend in der Innenstadt.

Nachts finden

sie keine Ruhe

Seitdem traut sich das Paar kaum noch aus dem Haus, lebt zurückgezogen. „Wenn wir einkaufen gehen, beeilen wir uns, gehen immer bei Tageslicht“, sagt er. Und er kennt den 25-Jährigen und die Jungs aus dessen Clique inzwischen gut. Sie würden oft an der Tiefgarage am Nordwall herumlungern, seien im Volkspark in Drogendeals verwickelt und würden Macht und Brutalität zelebrieren. „Sie unterdrücken andere Jugendliche – wer sich nicht unterwirft, wird fertiggemacht.“ Immer wieder ist es zu unangenehmen Begegnungen gekommen – das ging vom einfachen Beleidigen bis zum Bespucken, zur Drohung für Leib und Leben. Sogar einen Kampfhund-Angriff soll es gegeben haben.

Mehrfach erwirkte das Paar beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung, die es dem 25-Jährigen verbot, sich seinen Opfern zu nähern. Mindestens einmal missachtete er das Gesetz. Und erst vor kurzem trafen sich die Parteien wieder vor Gericht. „Da trat er ganz galant auf, hat die Richterin getäuscht“, beschwert sich seine Tante. Dabei soll ja eine verbale Morddrohung ausgesprochen worden sein – der Anlass für die Verhandlung. Sie berichtet: „Ich bin eigentlich kein ängstlicher Typ und ich will kein Opfer sein.“ Es fällt ihr sichtlich schwer, über ihre Gefühle zu reden. Herzrasen, Kopfschmerzen, Tränen- und Schweißausbrüche – so manche Nacht lagen beide Springer wach und wussten sich nicht mehr zu helfen. Wegzuziehen – darüber denken sie nach – wäre eine Möglichkeit der Flucht. Aber Springe ist ihre Heimat. Sie lieben das beschauliche Leben, ihren Garten, den Ort, an den sie sich so gerne zurückziehen.

Die Strafanzeigen verfassen die beiden inzwischen selber. Und sie suchen professionelle Hilfe auf. Beim Opferschutz „Weißer Ring“, bei einem psychologischen Dienst und bei einem Rechtsanwalt.

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