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Kulturkreis-Lesung mit Schauspieler Ernst Erich Buder

SPRINGE. Die zehn Afrikaner auf dem Berliner Alexanderplatz machen mit ihrem Hungerstreik und dem Satz „We become visible“ auf sich aufmerksam. „Wir werden sichtbar“ und damit auch die Situation in der sich die Flüchtlinge in dem Roman „Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck befinden.

Ernst Erich Buder ist auf Einladung des Kulturkreises zu sehen. 40 Besucher lauschen seiner Lesung im DRK-Haus. Er bringt den Springern den Roman „Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck näher. FOTO: KRAUSE

Autor:

Reinhold Krause

Dem Kulturkreis Springe ist es gelungen, den bekannten Schauspieler Ernst Erich Buder für die Lesung aus dem Werk Erpenbecks zu gewinnen.

„Ich habe mich schwergetan, mit den Textauszügen“, gab Buder im DRK-Haus zu. „Aber ich kann diesen Roman nur empfehlen, er ist lesenswert“, resümierte er am Schluss. Das Buch ist aktueller denn je, denn die Autorin beschreibt darin das Verhalten des emeritierten Altsprachen-Professors Richard von der Humboldt Universität, der auf Asylsuchende auf dem Berliner Oranienplatz aufmerksam wird.

Er nimmt Kontakt mit ihnen auf, führt Gespräche, macht sich Notizen. Einigen gibt er Kosenamen, andere nennt er beim bürgerlichen Vornamen. Richard hat den Eindruck, der einzige Deutsche zu sein, der sich für einen bestimmten Kreis von Geflüchteten kümmert. Er hilft ihnen bei Behördengängen, gibt ihnen Deutschunterricht, sorgt für Unterkünfte. Lernt aber als unfreiwilliger Anführer einer Demonstration auch die hautnahen Schikanen der Behörden sowie der Berliner Polizei kennen.

Richard interessiert sich über die Herkunftsländer der afrikanischen Flüchtlinge und recherchiert im Internet. Er ermöglicht mit seinem Geld dem Asylbewerber Karon den Kauf eines Grundstücks in seiner ghanaischen Heimat und erfährt dabei die für ihn kompliziert unkomplizierte Vorgehensweise der Afrikaner.

Buder gelang es, dieser schwarz-weißen Erzählung ein gewisses Colorit einzuhauchen. Durch seine Lesekunst konnten die Besucher die Gedanken- und Entwicklungsgang des Professors fast eins zu eins mitverfolgen und damit auch die Entstehung des Buches. Als pointenreicher Vorleser von Werken Kästners, Ringelnatz und Tucholski hat sich der studierte und viel beschäftigte Schauspieler neben der Theaterbühne, Film und Fernsehen einen Namen gemacht. Auch zeitgenössische Werke, wie jetzt das Buch von Erpenbeck, weist er nicht vom Lesepult. Der Autorin wurde die Schriftstellerei praktisch in die Wiege gelegt. Nach Studium der Theaterwissenschaft, mehreren Inszenierungen an verschiedenen Theater- und Opernhäusern in Deutschland und Österreich, wandte sie sich die 1967 in Berlin geborene Erpenbeck in den 1990er Jahren der Schriftstellerei zu. Mit ihrem 2015 erschienenen Roman „Gehen, ging, gegangen“ wurde sie für die Shortlist des deutschen Buchpreises nominiert.

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