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Bislang kaum Austritte und Spendenrückgänge / Ältere Mitglieder von Rezession weniger betroffen

Kirche und Verbände von Krise noch verschont

Springe (mf). In Springe trifft die Wirtschaftskrise Kirchen und Wohlfahrtsverbände bislang weniger hart als in vielen anderen Teilen der Region. Anders als etwa in Hannover sind Austritte und Spendenrückgänge noch die Ausnahme.


Die Springer DRK-Ortsvereine haben ihre Mitgliederzahlen in den vergangenen Monaten annähernd halten können. Der DRK-Regionsverband dagegen verzeichnet seit November mehr Kündigungen. Unter denen, die dem Roten Kreuz den Rücken kehren, weil sie sich die Beiträge nicht mehr leisten können, seien auch Mitglieder mit jahrzehntelanger Zugehörigkeit, heißt es in Hannover. Das Problem betreffe aber fast ausschließlich die Landeshauptstadt, sagt Geschäftsführer Thomas Dettmer. In den ländlichen Umlandgemeinden wie Springe sei die Treue der Mitglieder zu „ihrem“ Ortsverein in der Regel deutlich größer. Ein Austritt komme für die Mehrheit von ihnen auch in schwierigen Zeiten nicht in Betracht. Der Verein habe insbesondere in kleinen Dörfern eine ganz andere Bedeutung für den sozialen Zusammenhalt.

Dettmer räumt aber ein, dass es nicht mehr so leicht ist wie früher, neue Mitglieder anzuwerben. „Das Geld sitzt weniger locker.“

Auch bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Springe gibt es derzeit keinen Anlass zur Sorge, wie Vorsitzender Gerhard Merbt sagt. Die meisten Mitglieder seien bereits im Rentenalter und bekämen die Wirtschaftskrise deshalb nicht ganz so deutlich zu spüren. Sie müssten anders als viele Jüngere nicht mehr um den Arbeitsplatz bangen. Die Awo-Mitgliedsbeiträge seien zudem nicht hoch bemessen, sodass es auch aus diesem Grund keine Austritte gebe.

Beim Sozialverband (SoVD) zeigt sich Vorsitzender Heinz Flottau „im Augenblick noch sehr beruhigt“. Abgänge gebe es im Prinzip nur, wenn Mitglieder sterben. Wirtschaftliche Gründe spielten keine Rolle.

Größere Verbundenheit im ländlichen Bereich

Auch die Kirche wird von der Rezession noch verschont. „Sie macht sich weder bei der Höhe der Gottesdienst-Kollekte noch bei Austritten bemerkbar“, erklärt Pastorin Ruth Barnewitz von der evangelischen St.-Petrus-Gemeinde. Wenn überhaupt, dann handele es sich um Einzelfälle. „Vermutlich ist die Verbundenheit mit der Kirche auf dem Land noch größer als in der Stadt“, glaubt Barnewitz. Es gebe aber eine Zunahme an Gesprächsbedarf, beispielsweise von Menschen, denen der Arbeitsplatzverlust drohe.

Diese Erfahrung kann ihr Kollege Klaus Fröhlich (St. Andreas) nur bestätigen. „Auch bei uns stehen häufiger Menschen vor der Tür, die von finanziellen Problemen berichten.“ Immer mehr Familien seien zudem nicht mehr in der Lage, die Konfirmandenfreizeit für ihre Kinder zu bezahlen, weiß der Pastor.

Unterm Strich gehe es der Kirche aber noch recht gut, ist Fröhlich überzeugt. Unter den Gemeindemitgliedern seien viele in der Generation sechzig plus. „Und von denen haben die meisten ein gesichertes Einkommen.“

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