weather-image
19°
Rote Schule: SPD kritisiert aktuellen Träger – und gibt die Abstimmung im Ausschuss frei

„Kirche hat sich nicht an Kriterien gehalten“

Springe. Der anhaltende Streit um die Trägerschaft der Kita Rote Schule weckt auch in der SPD starke Emotionen. Ratsvorsitzender Volker Gniesmer fühlt sich gar von der Kirche unter Druck gesetzt: „Ich lasse mich nicht erpressen“, sagt er.

270_008_6636019_prio_rote_schule1.jpg

Autor:

VON CHRISTIAN ZETT

Auch Fraktionschefin Katrin Kreipe hat den Eindruck, der bisherige Träger wolle vor dem neuerlichen Entscheid im Jugendhilfeausschuss Fakten schaffen: „Wir sollen uns von vornherein für die Kirche entscheiden. Und das geht nicht.“ Bei der Mitgliederversammlung am Wochenende stellte sie den Anwesenden gar in Aussicht, Details zu den Vorwürfen preiszugeben. Sie könne dies aber letztendlich wegen der Anwesenheit der Presse nicht tun.

Doch auch so schien durch, was den Sozialdemokraten nicht passt: Ortsvereinschef und Rats-Vize Eberhard Brezski verwies auf die finanziellen Nachbesserungen der Gemeinde während der Ausschreibung: „Mir hat manches bei der Kirche nicht gefallen. Sie hat sich nicht an die Kriterien gehalten.“ Brezski stört aber auch die aus seiner Sicht all zu deutliche Kritik einiger Eltern bei der Ratssitzung zu dem Thema in Eldagsen: „Was da passiert ist, das fand ich schon arg heftig.“

Trotzdem, betont Gniesmer, sei die knappe Entscheidung im Verwaltungsausschuss – die das Gericht später für nichtig erklärte – „nicht aus dem hohlem Bauch heraus“ getroffen worden. Man habe die pädagogischen und finanziellen Konzepte von Kirche, Arbeiterwohlfahrt und Klax bewertet.

Wie sich die drei SPD-Mitglieder bei der nun entscheidenden Jugendhilfeausschuss-Sitzung im November positionieren, ist laut Brezski völlig offen: „Wir werden die Abstimmung freigeben. Jeder soll das nach seinem Gewissen entscheiden.“ Aus seiner Sicht wollen alle drei Anbieter „das Wohl des Kinders zuerst“.

Dem früheren SPD-Ratsherrn Uwe Lampe geht dieser Schritt nicht weit genug: Bei der Mitgliederversammlung forderte er, aus der Runde per Abstimmung eine offizielle Position der SPD zu ermitteln. Ihn stören vor allem Berichte über geringere Bezahlung, die den Kita-Mitarbeitern bei dem zuletzt ausgewählten Anbieter Klax drohen.

„Wir als SPD fordern immer, dass im Sozialbereich vernünftig bezahlt wird. Wenn wir gerechten Lohn für gerechte Arbeit wollen, dann müssen wir so etwas unterbinden“, forderte Lampe, dem außerdem ein Dialog mit der Elterninitiative für den Erhalt der Kirche als Träger vorschwebt. Dieser finde inzwischen statt, betont Brezski: „Uns war es wichtig, dass erst mal die Emotionen aus dem Thema herauskommen.“ Die Fraktion habe keine vorgefertigte Meinung: „Dass es bei uns unterschiedliche Ansichten gibt, ist urdemokratisch“, sagt der Ortsvereins-Chef.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare