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Kindergarten St. Andreas:Moni Wolters geht in den Ruhestand

SPRINGE. Ihr Beruf ist ihr Leben. Anders kann man das Engagement, das Moni Wolters jeden Tag aufbringt, nicht beschreiben. Seit 26 Jahren arbeitet sie im Kindergarten St. Andreas. 1995 hat sie die Leitung dort übernommen. Jetzt geht sie in den Ruhestand.

Inmitten der Kinder fühlt sich Moni Wolters am wohlsten. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge wird die 62-Jährige in knapp zwei Wochen in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Hermes
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

„Meine Familie und meine Freunde zählen schon die Tage“, sagt die 62-Jährige und lacht. „Sie freuen sich darauf, dass ich bald wieder mehr Zeit für sie habe.“ 30 Stunden in der Woche arbeitet sie laut Vertrag in dem Kindergarten. „Das reicht aber vorne und hinten nicht. Die Büroarbeit erledige ich in meiner Freizeit.“

Auch wenn sie sich auf das Gefühl freut, die Verantwortung abgeben und den Wecker morgens geflissentlich ignorieren zu können, fällt ihr der Schritt, aufzuhören, nicht leicht. „Ich genieße es, jeden Tag Leben um mich herum zu haben und das werde ich sehr vermissen.“ Aber nicht nur das. „Auch die Fürsorge der Kleinen wird mir fehlen.“ Die Kinder hätten ihr in einer schweren Zeit viel Halt gegeben. „Ohne sie wäre ich aus dem Loch, in dem ich gesteckt habe, nicht herausgekommen.“ Was war passiert? Innerhalb eines Jahres musste die Familie Wolters zwei schwere Schicksalsschläge hinnehmen. „Wir haben zwei Familienmitglieder durch Autounfälle verloren“, sagt die Kindergartenleiterin und schluckt. „Die Kinder haben in der Zeit meine Traurigkeit gespürt und mir mein Lachen zurückgegeben.“

Noch heute hat Wolters Kontakt zu den „Kindern der ersten Stunde“, wie sie sagt. „Und mittlerweile sind alle erwachsen und melden schon ihre eigenen Töchter und Söhne hier an.“ Viele ihrer damaligen Schützlinge sprechen sie noch immer darauf an, dass sie schon vor 20 Jahren ihr Frühstück mit den Kindern geteilt habe. „Ich habe seit meinem ersten Tag hier im St.-Andreas-Kindergarten immer eine Extra-Portion für die Kleinen dabei, damit sie mal naschen können“, berichtet Wolters. Dabei habe es immer Obst, Gemüse oder Vollkorn-Produkte gegeben, auch noch heute. „Die Eltern können dann meist gar nicht glauben, dass ihre Kinder freiwillig Kohlrabi oder Möhren essen.“

Neben gesunder Ernährung war es der 62-Jährigen immer ein großes Anliegen, dass die Kinder das Spielen nicht verlernen. „Es ist wichtig, dass sie noch durch Pfützen oder über Bäche springen, die Natur erleben oder einfach nur Verstecken spielen“, sagt sie. „Gerade in der heutigen Zeit, in der die digitale Welt eine immer größere Rolle einnimmt.“

Während sich der Kindergarten früher vor Anfragen kaum retten konnte, muss jetzt um jede Anmeldung gekämpft werden. „Als ich hier anfing, wollten die Eltern mir noch meinen Urlaub bezahlen, damit ich ihren Sohn oder ihre Tochter aufnehme“, erinnert sich die 62-Jährige schmunzelnd. Doch die Zeiten hätten sich geändert. „Unsere Öffnungszeiten von 8 bis 13 Uhr sind für viele Berufstätige nicht handhabbar“, erklärt sie. Und: Vor zwanzig Jahren hätte es noch nicht so viele berufstätige Frauen gegeben. „Viele Kinder bleiben auch einfach in der Krippe, in der sie von Beginn an betreut werden.“

In ihrer 26-jährigen Tätigkeit hat Wolters viele Kooperationen geschlossen – unter anderem mit dem Tennisverein Springe, Levimed und der Musikschule. „Und im Energie- und Umweltzentrum steht ein Apfelbaum, den die Kinder selbst gepflanzt haben und regelmäßig gießen.“

Ihr persönliches Highlight war jedes Jahr das Krippenspiel zu Weihnachten, das sie zusammen mit ihren Schützlingen erarbeitet hat. „Es ist erstaunlich, was Dreijährige schon leisten können.“ Ob das Krippenspiel fortgeführt werde, wisse sie aber nicht. „Meine Nachfolgerin steht noch nicht fest. Bis Ende des Jahres übernimmt erst mal eine ständige Vertretung meinen Posten“, sagt Wolters. Ein Umstand, der sie beunruhigt. „Ich hätte gerne noch jemanden eingearbeitet, dann könnte ich mit einem besseren Gefühl gehen. Auch die Eltern wollen wissen, wie es weitergeht.“

Die Füße hochlegen, will Wolters in ihrem Ruhestand aber nicht. „Zunächst werde ich noch als Tagesmutter arbeiten.“ Sie müsse von Menschen umgeben sein. „Und die Kinder halten mich jung. So komme ich nie zum Rasten und Rosten.“

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