weather-image

Kinder-Betreuung in der Krise: Podiumsdiskussion in Völksen

VÖLKSEN. Fest steht: In Springe fehlen Kita- und Krippenplätze. Besonders angespannt ist die Lage in Völksen. Um das Thema Bildung und Betreuung ging es jetzt im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Christian-Flemes-Grundschule:

Im Gespräch: Maike Baasen (von links), Karl-Heinz Klare, Kerstin Liebelt, Roger Cericius, Petra Keck und Christian Springfeld.

Autor:

Patricia Szabo

Über die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen einer zukunftsfähigen Bildungs- und Betreuungslandschaft diskutierten der CDU-Bildungsexperte Karl-Heinz Klare, die SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Liebelt, Meike Baasen, ehemalige Leiterin der Grundschule in Bremen, die 2015 den deutschen Schulpreis gewann, Bürgermeister Christian Springfeld und die Vorsitzende von der Initiative „Kinder leben in Völksen“ , Petra Keck.

„Es gibt Themen, über die wir nach vielen Jahren nicht mehr diskutieren müssen, weil sie inzwischen unstrittig sind“, erklärte Roger Cericius, der das Treffen moderierte zum Auftakt der Veranstaltung.

Es fehle nicht nur an Hortplätzen, sondern auch an ausreichenden frühpädagogischen Angeboten, sagte Keck. Zwar habe sich in den vergangenen fünf Jahren das Betreuungsangebot in Völksen deutlich verbessert, doch der erhöhte Betreuungsbedarf stoße inzwischen an seine Grenzen.

15 Plätze bietet die Krippe in Völksen zur Zeit. Aufgrund der steigenden Geburtenrate müssten jedoch noch mindestens 45 weitere Betreuungsplätze her. Auch die Grundschule rechnet in den kommenden vier Jahren mit 160 neuen Schülern, sagte Keck. Daher müsse man über einen Neubau nachdenken.

Die steigende Geburtenrate sei ein Riesenerfolg, der die Verwaltung jedoch vor große Herausforderungen stelle, sagte Springfeld. „Wir wären gerne weiter, stehen aber immer noch vor der Grundstücksfrage“, bedauerte der Bürgermeister. Denn um eine Schule oder einen Kindergarten neu zu bauen, müsse ein entsprechend großes Grundstück gefunden werden.

Springfeld steht vor vielen Schwierigkeiten, denn nicht nur in Völksen müsse die Infrastruktur der Schulen dringend verbessert werden. Auch im restlichen Stadtgebiet seien die Schulgebäude in einem schlechten Zustand. Eine mögliche Lösungsperspektive sieht der Bürgermeister in Schaffung eines Bildungszentrums in Völksen, in dem sich die Krippe, der Kindergarten und die Schule an einem Standort befinden. Auch Liebelt begrüßte diese Idee. Das sorge, so ein Publikumsgast, für mehr pädagogische Konstanten, gute Synergieeffekte und eine effektivere Raumnutzung.

Am meisten brenne jedoch das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren, so Springfeld. „In Völksen richten wir den Fokus auf den Krippenbereich“, sagte er.

Baasen sagte, dass der Staat in der Pflicht sei, eine zuverlässige Betreuung zu gewährleisten. Die ehemalige Schulleiterin war sich mit Springfeld einig, dass für den Erfolg alle an einem Strang ziehen müssten. Und zwar nicht nur die Kommunen und Schulen, sondern auch Eltern, Lehrer und Schüler, da jeder eine andere Sichtweise auf die Dinge habe. „Wir benötigen einen Dialog“, sagte Springfeld und bekräftigte, dass es diesen zwar gebe, was aber oft fehle, sei die Bereitschaft zur kontinuierlichen Arbeit seitens der Eltern.

Weil, so Baasen, die Eltern ein Recht auf Arbeit hätten, seien offene Ganztagsschulen grundsätzlich ein erstrebenswertes Ziel. Oftmals scheiterten die guten Absichten an Finanzierung und Personalmangel. Auch der Bildungsexperte Klare sagte, er könne keine Unterrichtsgarantie geben, weil es nicht genug Lehrkräfte gebe. „Bürgermeister Springfeld traue ich viel zu“, sagte er und verwies darauf, dass Schulen in Zukunft auf digitalen Unterricht setzen werden. Auch dafür müsse eine Infrastruktur geschaffen werden.

Sei ein Bildungszentrum eine denkbare Variante, fragte Cericius. „Natürlich“, bejahte Springfeld und antwortete, er fände das Konzept spannend. Dennoch sollte man sich angucken, wie ähnliche Konzepte an anderen Standorten umgesetzt werden.

Der Fachkräftemangel im pädagogischen Bereich und Veränderungen in der Bildungsstruktur stelle nicht nur Springfeld, sondern auch alle anderen Beteiligten vor große Herausforderungen. Aus diesem Anlass propagierte der Bürgermeister ein nochmaliges formloses Treffen mit der Verwaltung, den Pädagogen, den Eltern und der Elterninitiative.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare