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Wie der Lebensmittelskandal die Verbraucher in Springe verunsichert

Kein Ei gleicht dem anderen

SPRINGE. Mit Insektenvernichtungsmittel belastete Hühnereier beschäftigen auch in Springe Verbraucher und Märkte. Die Kunden schauen derzeit ganz genau hin beim Blick in die Eierpackung, um den Stempelaufdruck zu prüfen, der verrät, woher ein Ei kommt. Oder sie kaufen gleich beim Biobauern nebenan.

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Die Mitarbeiter der Aldi-Filiale in Springe haben am Freitag sämtliche Eier aus den Regalen genommen: „Auch wenn keine Hinweise auf mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen vorlagen“, betont Unternehmenssprecherin Anna Steinweger. Lidl habe weiterhin Eier im Angebot, darunter Freiland- und Bio-Eier.

Alle Märkte, Bioanbieter und Hofläden setzen seit Bekanntwerden des Skandals, wonach Millionen Hühnereier mit dem Insektengift Fipronil belastet sind, auf Transparenz, um das Vertrauen der verunsicherten Kunden zurückzugewinnen. So wie etwa das E-Center an der Osttangente. Abteilungsleiterin Heidi Borchardt betont zwar, dass keine der im Markt angebotenen Eier mit Fipronil belastet gewesen seien. „Dennoch gab es verunsicherte Kunden, die keine Eier essen wollten. Aus Kulanzgründen haben wir die Ware dann zurückgenommen.“ Im E-Center würden ausschließlich Eier aus Deutschland verkauft.

Generell lässt sich anhand der Stempel erkennen, woher die Eier kommen. Während dieser Tage erklären Supermarkt-Mitarbeiter den Aufdruck besonders oft.

Im Lidl in Springe werden laut Sprecher Mario Köhler Eier aus Deutschland und den Niederlanden, sowie regionale Eier aus Norddeutschland verkauft. Eier von Höfen, bei denen Fipronil verwendet wurde, seien unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals aus dem Verkehr genommen worden. Auch bei Lidl gilt eine Kulanzregelung: „Grundsätzlich können unsere Kunden bei Lidl Deutschland gekaufte Lebensmittel jederzeit ohne Angabe von Gründen in unseren Filialen auch ohne Vorlage des Kassenbons zurückgeben.“

Wie so oft bei Lebensmittelskandalen erinnern sich Verbraucher an regionale Bio-Lebensmittel und wenden sich an Direktvermarkter in der Region. Auch Gerrit Bartels verkauft aktuell in dem Bio-Laden auf dem Eschenhof in der Industriestraße mehr Bio-Eier als sonst. „Wir merken das ganz extrem, dass die Nachfrage steigt – sowohl bei Stammkunden als auch bei ganz neuen Kunden“, sagt der junge Landwirt. „Es ist einfach ein Gesprächsthema und viele Kunden sind verunsichert“, sagt Bartels. Der Fipronil-Skandal sei schlimm, „aber Bio-Höfe profitieren aktuell davon“. Der Eschenhof produziert Getreide, Kartoffeln und Eier und gehört mit 3000 Legehennen, die in drei Ställen untergebracht sind, zu den größten Bio-Eier-Produzenten in der Region Hannover. .

Die Mitglieder des Familienbetriebs Bartels nehmen sich in diesen Tagen vermehrt Zeit, um Aufklärung zu betreiben. Die Kunden hätten viele Nachfragen und wollen wissen, worauf sie achten müssen. „Viele kennen sich ganz grundsätzlich nicht mit den unterschiedlichen Haltungsmethoden von Hühnern aus“, berichtet Bartels. Der Unterschied zwischen Bodenhaltung, Freilandhaltung oder der ökologischen Erzeugung sei vielen nicht klar. „Uns besuchen auch oft Schulklassen. Leider wissen die Kinder meist nicht mal, dass es überhaupt verschiedene Möglichkeiten gibt, Eier zu produzieren“, sagt Bartels.

Vom Gift-Eier-Skandal sei nicht allzu viel zu merken, sagt Silvia Hanelik, Inhaberin des Bioladens am Markt in Springe. Es gingen zwar zwei bis drei Eier mehr über den Tresen – doch das würde sich auch wieder legen, wenn der Skandal vergessen sei, ist sie überzeugt. Nur die Überzeugungskäufer blieben: „Unsere Stammkunden wissen, dass Verlass auf unsere Qualität ist.“ Bezogen werden die Eier vom Eschenhof in Springe und vom Großhandel, der die einwandfreie Herkunft schriftlich bestätigt.rtm/shrm

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