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Karlfried Rose und Harald Peter Malz auf dem Hermannshof

VÖLKSEN. Die schwache Wintersonne versinkt hinterm Deister, der Kaminofen bollert vor sich hin, das Licht schwindet. Genau die richtige Atmosphäre für eine Lesung. Zum Jahresauftakt stand auf dem Hermannshof traditionell die Literatur im Mittelpunkt.

Schreibt mit einer gehörigen Portion wohldosierten, unterschwelligen Humor: Harald Malz.Foto: HUPPERT

Autor

Christoph Huppert Reporter

„Wir geben lokalen Literaten die Möglichkeit einmal vorzutragen“, erklärt Eckhart Liss. Dass deren Vertreter sich hinter großer Literatur keineswegs zu verstecken brauchen, beweist an diesem Abend das Schreiber-Duo Karlfried Rose und Harald Peter Malz. Malz, 67, pensionierter Pädagoge und SPD-Ratsherr der Stadt Springe, habe die Liebe zum Schreiben gebracht.

Doch im Mittelpunkt dieser Lesung steht ein ganz im Stil des Genres der „social science fiction“ gehaltener Besuch in einer fiktiven Fabrik zur Erzeugung von Kunstfleisch. Präzise branchentypische Fachsprache, exakte Beobachtungen des Produktionsprozesses lassen anfangs den Zuhörern Text wie Fleisch auf der Zunge zergehen – ehe es ihnen dann als Horrorvision doch im Halse steckenbleibt. Geschickt macht Malz seinen Text mit einer gehörigen Portion wohldosierten, unterschwelligen Humors dennoch äußerst verdaulich. Was auch für die Anfangskapitel seines in Entstehung befindlichen Romans gilt, aus dem er im zweiten Teil des Abends vorträgt.

„Leben ist stets ein Suchen“, so die Aussage von Karlfried Rose. Auch er ist wie Malz Mitglied der sechs Literaten umfassenden Springer Gruppe „Wortart“. „2015 gegründet, treffen wir uns einmal im Monat“, informiert der ehemalige Berufsschullehrer.

Seit 1963 schreibe er Gedichte, erzählt der heute 75-Jährige. Manchmal im Stil von Eugen Roth, was auch bei der Lesung in Völksen durchschimmert. Ungleich stärker und mitreißender aber ist sein Text „Im Dunkel“ oder, noch intensiver, die Kurzgeschichte „Die Büchse der Pandora“, in der ein reicher Lebemann nach einem ausschweifenden Leben, in dem er immer vor sich selber weggelaufen ist, von Krankheit gezeichnet zu sich und seinem Ende findet.

Rose gelingt ein Text irgendwo zwischen Abenteuerroman und Psychogramm mit fast surrealen Untertönen.

Fazit: zwei Stücke starke Literatur. Ob da die lyrischen Versuche notwendig waren, darf kritisch diskutiert werden. Allein die Prosatexte waren einen Besuch der Jahresauftakt-Lesung wert. Die Zuhörer dürfen auf weitere Geschichten der beiden Wortart-Schreiber aus dem Springer Stadtgebiet gespannt sein.

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