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Schulhof-Schlägerei eskaliert im Gerichtssaal noch einmal

Jung, vorlaut, ungehobelt: Angeklagte brüllen Richterin an

Springe (mari). TV-Richterin Barbara Salesch hätte an dieser Verhandlung ihre helle Freude gehabt: Hier gab es vorlaute Angeklagte, die sich in Rage brüllen und sowohl der Staatsanwältin als auch der Richterin ins Wort fallen.

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Der dreistündige Prozess gestern am Springer Amtsgericht war eine Lehrstunde im Fach schlechtes Benehmen. „Wenn ich hier heute nicht freigesprochen werde, dann lasse ich noch viel mehr Leute vorladen“, schrie einer der Beschuldigten das mutmaßliche Opfer an. Der Richterin warf er vor, parteiisch zu sein. Selbst bei der Urteilsverkündung ließ einer der Angeklagten ein lautes „Quatsch!“ hören, der andere schlug sich mehrfach gegen die Stirn – er hätte ebenso einen Vogel zeigen können.

Bei der Tat hatte das Trio noch Fäuste sprechen lassen. Ein 18-jähriger und ein 19-jähriger Barsinghäuser sowie ein 18-jähriger Springer prügelten am 2. Mai auf dem Pausenhof der Springer Berufsschule auf einen 23-jährigen Hamelner ein. Als der schon am Boden lag, wurde er weiter getreten, mindestens einmal gegen den Kopf. Die Folge: Prellungen, Schürfwunden und ein blaues Auge.

Der 18-jährige Springer hatte nach Aussage mehrerer Zeugen einen Baseballschläger dabei und schlug einem 20-jährigen Hannoveraner gegen die Hüfte. Auch hier wurde später eine Prellung diagnostiziert. Die Aussage des 20-Jährigen war vergleichsweise klar, dennoch: Als die Richterin ihn nach mehrmaliger Nachfrage auf Abweichungen hinwies, erklärte er aufgebracht, aber nicht wirklich glaubhaft: „Frau Richterin, ich bin bis heute im Schockzustand.“

Die Täter schieben die Schuld denn auch auf die Lehrer: Das 23-jährige spätere Opfer habe den Streit in der Pause zuvor angezettelt und hätte daraufhin vom Unterricht suspendiert werden müssen. „Die hätten das also verhindern können. Deshalb tut mir das alles auch gar nicht leid“, lautete die merkwürdige Schlussfolgerung des 18-jährigen Springers.

Er muss ein soziales Training absolvieren, 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und zwei Wochenenden in Arrest. Der 18-jährige Barsinghäuser – er ist mehrfach einschlägig vorbestraft – soll 500 Euro an die Opferhilfe zahlen. Das Verfahren gegen den zweiten Barsinghäuser wurde eingestellt. Die Strafen fallen wegen zahlreicher Widersprüche in den Zeugenaussagen eher gering aus.

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