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Preise bei der Leipziger Buchmesse

Japanische Comics aus der Feder junger Springer

Völksen/Eldagsen (jemi). Der Tag und vor allem die Nacht vor dem Einsendeschluss waren etwas hektisch: Sinja Schenzel zeichnete die halbe Nacht durch. Vater Andreas erhielt dann am nächsten Morgen die vertrauensvolle Aufgabe, die Mappe mit der Zeichnung in den Briefkasten zu werfen. Der Einsatz hat sich gelohnt: Die 14-jährige Völksenerin belegte beim Wettbewerb „Manga-Talente“ der Leipziger Buchmesse den zweiten Platz. Auch ihre Freundin Cindy Schoger aus Eldagsen war mit einem tollen vierten Platz erfolgreich.

Cindy Schoger (l.) und Sinja Schenzel tauschen sich aus.   Mädchen unterm Kirschbaum: Der zweite Platz von rund 1300 Einsendunge

Es ist die große Leidenschaft der beiden Jugendlichen: „Mein erstes Zeichenbuch habe ich mit fünf Jahren von meinem Vater bekommen“, erinnert sich die 15-jährige Cindy. „Seit dem Kindergarten zeichne ich eigentlich ständig.“ Schnell entwickelte sich auch das Interesse an Mangas, den japanischen Comics. Im Fernsehen schaute sie sich beiden regelmäßig Anime an – das sind japanische Animationsfilme. Daher holte sich die Cindy die ersten Inspirationen.

Sinja und Cindy kennen sich seit der fünften Klasse und wie nicht anders zu erwarten, mögen beide auch das Fach Kunst am Otto-Hahn-Gymnasium. „Wir sind zumindest Einser-Kandidatinnen.“ Noch besser fänden sie den Unterricht allerdings, wenn sie dort auch die ganze Zeit Mangas zeichnen könnten. „Landschaften sind aber auch schon mal in Ordnung“, sagen die beiden lachend.

Die Gymnasiastinnen treffen sich regelmäßig und tauschen sich aus. „Es ist schön, dasselbe Hobby zu haben“, sagt Sinja. Häufig ist das Manga-Zeichnen Thema in ihren Gesprächen. „Ich sauge den Rat von Cindy geradezu auf“, meint Sinja. Die Kritik sei zum Glück meist moderat – mit Selbstkritik sparen sie beide jedoch nicht. Da seien sie häufig gnadenlos: „Eigentlich ist man nie ganz zufrieden mit seiner eigenen Zeichnung“, meinen sie. Man sehe die Macken bei seinen eigenen Werken viel deutlicher.

Mit diesem Bild belegte Cindy Schoger den vierten Platz beim Manga-Wettbewerb.
  • Mit diesem Bild belegte Cindy Schoger den vierten Platz beim Manga-Wettbewerb.
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Beide würden sich gegenseitig sehr inspirieren, aber für die Gestaltung der Bilder nehmen sie sich am liebsten Ruhe. Die Stimmung sei sehr wichtig. „Wenn ich Lust auf Zeichnen habe, muss ich das auch unbedingt machen. Sonst bekomme ich die Gedanken und Ideen nicht mehr aus dem Kopf“, berichtet die 14-jährige Sinja. Beide Schülerinnen mögen neben den Mangas auch die japanische Kultur. „Und das Essen“, betonen beide lachend. Die asiatischen Comics haben auch das Interesse an dem Land geweckt.

Als sie jetzt den Preis während der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Einzelbild überreicht bekamen, hatten die Jugendlichen ordentlich Herzklopfen. Auf der Bühne standen sie dann für einige Minuten im Rampenlicht. „Realisiert habe ich die ganze Preisverleihung erst viel später“, erinnert sich Sinja. Ihr kommt es jetzt fast wie ein Traum vor – aber ein wirklich schöner.

Ihre Leidenschaft steckt mittlerweile auch schon die Mitschüler an. Eine Freundin von ihnen habe auch bei dem Wettbewerb teilgenommen und es auch unter die ersten zehn geschafft. Damit ist Springe derzeit deutschlandweit eine echte Manga-Hochburg geworden.

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