weather-image

Jamie-Lee Kriewitz im ESC-Vorentscheid

Bennigsen. „Ich habe total Bock drauf“, sagt die „The Voice of Germany"-Gewinnerin aus Bennigsen, Jamie-Lee Kriewitz. Sie steht am Donnerstag im Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest".


Bennigsen. Das deutsche Ticket zum Eurovision Song Contest nach Schweden ist sehr umkämpft. Mehrere Bands und Musiker rechnen sich heute Abend beim Vorentscheid Chancen auf die Reise nach Stockholm aus – von modernen Pop-Interpreten bis gregorianischen Sängern in Mönchskutten. „Ich habe total Bock drauf“, kündigt auch die 17-jährige Jamie-Lee Kriewitz an, die bereits die Show „The Voice of Germany“ gewonnen hat. Wir haben vor ihrem großen Abend in Köln mit Jamie-Lee selbst, ihrer Familie in Bennig-sen und ihrer Schule in Hameln gesprochen.

Gerade hatte sie ein paar Wochen Pause, „da konnte ich ein bisschen runterkommen und das alles realisieren“, sagt Jamie-Lee Kriewitz, die wir während der Aufnahmen zu ihrer neuen Single in Berlin erreichen. Deutschland-Tournee, Studioaufnahmen, mögliche Kandidatin für den European Song Contest (ESC): Das stressige Leben als „The Voice“-Siegerin scheint der jungen Frau, die in Bennigsen wohnt und in Hameln zur Schule geht, gut zu bekommen.

„Mir geht’s super“, sagt sie gut gelaunt. Sehr viel von sich selbst stecke in dem Lied, das sie gerade aufnimmt: „Ich würde sagen, mehr geht nicht.“ Sie schreibt den Text zwar nicht selbst, gibt aber das Thema vor und steht dafür ständig in Kontakt mit „den Fantas“, ihren Coaches Michi Beck und Smudo, sowie dem Produzenten Thomilla.

Auch bei ihrem ausgefallenen Manga-Kleidungsstil lässt sich die junge Frau nicht verbiegen: „Das ist mein Ding, das ziehe ich durch.“ Heute Abend entscheidet sich, ob Jamie-Lee für Deutschland beim ESC antritt (ARD, ab 20.15 Uhr). Sie singt ihren „The-Voice“-Siegertitel „Ghost“ – der Song musste dafür auf unter drei Minuten gekürzt werden.

Eine Sache gibt es aber, die unter dem Erfolg ein bisschen leidet: „Eigentlich hatte ich immer vor, dieses Jahr mein Abi zu machen“, gibt die 17-Jährige zu, „aber durch die vielen Fehlzeiten wegen ,The Voice‘ werde ich wohl das Jahr wiederholen.“ Den Abschluss will sie unbedingt machen: „Das habe ich mir fest vorgenommen.“

Ihre Hamelner Schule fiebert natürlich mit Jamie-Lee mit: Die Mitschüler der 12. Klasse der Fachoberschule Gestaltung sowie die Lehrer der Eugen-Reintjes-Schule drücken ihr die Daumen. „Ich komme gerade aus der Klasse von Jamie-Lee. Es ist eine gewisse Aufregung und Neugierde zu verzeichnen“, sagt Schulleiter Johannes Stolle, der schon ein bisschen stolz ist, mit Jamie-Lee eine mittlerweile so berühmte Schülerin an seiner Schule zu haben. Auch wenn ihr Weg derzeit eher nicht in die Eugen-Reintjes-Schule führe: „Wir sind nach wie vor daran interessiert, zu wissen, wie es ihr geht.“ Denn schließlich hänge davon auch die Stimmung in der Klasse ab. Am Unterricht nimmt sie – sofern es die Gesangskarriere denn zulässt – auch teil: „Sie ist da sehr pflichtbewusst“, so ihre Klassenlehrerin Tina Stegmann. Zum ESC-Vorentscheid reist von der Schule niemand, doch Daumendrücken, das geht ja auch von Hameln aus.

Vor dem Auftritt hat Jamie-Lee noch ein paar Tage zu Hause in Bennigsen vorbeigeschaut, Familie und Freunde wiedergesehen. Denn die muss sie ein wenig vernachlässigen: „Ich habe auf jeden Fall weniger Kontakt mit ihnen‘‘, sagt Jamie-Lee. Allerdings findet sie viel Verständnis: „Es ist nicht so, dass ich jetzt auf einmal ganz viele Freunde verliere, die stehen alle immer noch hinter mir und reden auch noch mit mir.“

Jamie-Lee ist nun schon seit Dienstag in Köln, um sich auf ihren Auftritt vorzubereiten. Während ihr Vater Michael gestern nachreiste, verfolgt Mutter Nicole den Auftritt von Bennigsen aus. Eine große Grand-Prix-Party wird es dort aber nicht geben: „Es kommen ein paar Freunde; wir machen uns einen ruhigen Abend vor dem Fernseher“, sagt sie der NDZ. Für sie hat sich der Wirbel nach dem „The-Voice“- Sieg und der ESC-Nominierung gelegt: Inzwischen werde die Familie nicht mehr so häufig auf die Musikkarriere von Jamie-Lee angesprochen. „In so einem kleinen Ort ist das ja auch schnell rum“, sagt die Mutter.

Jamie-Lee selbst macht sich rar in Bennigsen: erst die Auftritte bei „The Voice“ in Berlin, dann die Deutschland-Tour, die Studioaufnahmen, jetzt der ESC. „Ich glaube, das ist auch für sie eine Herausforderung“, sagt Kriewitz über die vielen Reisen ihrer Tochter: „Sie ist gerne mit ihren Freunden hier zusammen. Und sie ist schon ein Familienmensch.“ Verändert haben die vergangenen Monate aber nicht nur die Sängerin, sondern auch ihre Familie: „Die ganze Sache ist wie ein Traum, der nicht aufhört. Man führt ein ganz anderes Leben.“ Die Chancen ihrer Tochter heute Abend? „Natürlich wünsche ich mir, dass sie es schafft.“

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare