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Mal still, mal laut: Wie Springer verschiedener Generationen durch die Silvesternacht feiern

Jahreswechsel zwischen Bowle und Böllern

Springe (jemi/ger). Heute Nacht werden wieder Millionen in den Himmel geschossen, während Silvester früher meist leiser gefeiert wurde. Vieles hat sich verändert. In der NDZ berichten zwei Menschen aus unterschiedlichen Generationen, was diese Nacht für sie bedeutet.

Edith Stiehl (85) liebt es Silvester eher still – nur mit einer Wunderkerze.

Edith Stiehl hat schon viele Jahreswechsel erlebt. In 85 Jahren sammeln sich so einige Erinnerungen an. Besonders sind ihr jedoch die Silvesternächte im Kopf geblieben, die sie mit ihren Eltern verbringen konnte. Da war sie noch ein junges Mädchen. „Es herrschte Krieg – eine schwierige Zeit“, sagt sie zurückblickend. Doch an Silvester sei die ganze Familie zusammengekommen. „Wir haben gesungen und das Wichtigste war, das Wort Gottes zu lesen.“

Kein Jahreswechsel sei für sie vergangen, ohne in der Bibel zu lesen. Stiehl, die heute mit ihrem Ehemann Günter im Seniorenzentrum an der Jägerallee wohnt, erinnert sich auch noch ganz genau an das Festtagsgetränk: Der Vater habe stets eine Erdbeerbowle angesetzt. Am herrlichsten sei es jedoch gewesen, wenn sie ein paar Tropfen von dem köstlichen Kirschlikör ergattern konnte. „Zur Feier des Tages war mir das erlaubt“, erzählt sie schmunzelnd. Die Mutter machte an Silvester Krapfen, über die sich dann die ganze Familie hermachte. „Damals hat man doch noch alles selbst gemacht“, weiß die 85-Jährige. Auch leckeren Heringssalat, manchmal trotz Kriegswirren auch Kartoffelsalat und Würstchen. Rückblickend seien die Abende trotz der unruhigen Zeiten schön gewesen – denn die Familie sei immerhin zusammen gewesen.

Nach dem Krieg, als die Eltern gestorben waren, habe sie Silvester mit ihrem Mann und den inzwischen sechs eigenen Kindern verbracht. Große Feiern seien auch später eher die Ausnahme gewesen. Feuerwerkskörper? Edith Stiehl winkt ab. „Einmal“, erinnert sie sich, „hatten wir Raketen. Doch als wir sie anzünden wollten, fanden wir einfach kein Feuerzeug.“

Heute um Mitternacht will die 85-Jährige ihren Günter an die Hand nehmen, gemeinsam mit ihm aus dem Fenster schauen und schauen, wie die Raketen den Himmel in ein buntes Farbenmeer verwandeln. Statt Erdbeerbowle gibt’s dann ein Gläschen Sekt.

So ruhig mag Arne Treptow es nicht angehen lassen. Der 21-jährige Bennigser hält es wie die meisten seiner Generation: lauter, schneller, schriller. „Das Wichtigste für mich ist, mit Freunden eine ordentliche Party zu feiern, um das neue Jahr gebührend zu begrüßen.“ Zuhause ist dabei eher nicht angesagt. Auch dieses Silvester will er sich wieder auf den Weg nach Hannover machen, um in großer Runde in der Innenstadt zu feiern. Zusammen mit Kumpels und Freundin beginnt der Trip schon nachmittags. In den folgenden Stunden gönnen sich die Jugendlichen auch einiges an Alkohol – „das trägt zur guten Laune bei und lockert die Stimmung“, sagt Treptow. Das bedeute aber nicht, dass man sich hemmungslos betrinke, denn dann könne der Abend auch schnell im Eimer sein.

Selbst böllern wollen die Heranwachsenden nur ein wenig, beteuert Treptow. „In der Innenstadt ist das ohnehin schwierig“, weiß er aus den vorangegangenen Jahren. „Man muss aufpassen, dass man nicht von den Raketen anderer getroffen wird.“

Die letzte große Party des Jahres – für Arne Treptow ist es auch ein Anlass, sich zu fragen, was die nächste Zeit für ihn so bringen wird. Dabei war 2010 gar nicht schlecht. Nach anfänglichem Pech folgte Liebesglück, Hand in Hand mit dem Umzug in die erste eigene Wohnung. Auch in der Schule lief es gut. Und obendrein ergatterte der 21-Jährige auch noch einen tollen Nebenjob. Unterm Strich also genügend Gründe, um mal wieder richtig „was los zu machen“. Mit einer Party „open End“ – wie das für Treptow und seine Freunde üblich ist.

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