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Die NDZ begleitet Schneepflugfahrer Jörg Schalk auf seiner Tour über Springes verschneite Straßen

„Irgendwann steht es einem bis oben hin“

Nach elf Tagen kann auch Jörg Schalk so langsam kein Weiß mehr sehen: „Irgendwann steht der Schnee einem bis oben hin“, sagt der 50-Jährige. Seit Weihnachten sitzt er fast jeden Tag in seinem Unimog-Schneepflug, Baujahr 1991 und befreit Springes Straßen vom Schnee.

Bauhof-Mitarbeiter Jörg Schalk steuert seinen Schneepflug durch

Autor:

Christian ZettSpringe. Sie werden verflucht von Anwohnern, von Autofahrern. Aber sie sind

Er weiß, dass ihn und seine Kollegen viele Menschen verfluchen. „Zu langsam geräumt“, sagen sie dann. Oder sie beklagen sich, dass der Schnee plötzlich in ihrer Einfahrt liegt. Dass der Pflug die Straße vor ihnen blockiert, wenn sie es eilig haben. Schalk sitzt hinter dem Steuer und zuckt mit den Schultern. „Es gibt solche Leute und solche“, sagt er. Manche freuen sich, wenn sie ihn und sein Fahrzeug sehen, sie grüßen freundlich. Besonders, wer oben am Berg wohnt, weiß die Arbeit des Bauhofes zu schätzen: „Sonst ist das im Winter da oben nicht mehr so eine tolle Lage...“. Eine der schwierigsten Fahrbahnen ist für Schalk die Otto-Wehner-Straße, in die er jetzt einbiegt. 25 Prozent Steigung, die der Unimog dank spezieller Reifen und Schneeketten leicht nimmt: „Man darf halt nicht ängstlich sein“, sagt Schalk.

Weiter geht es durch die weiße Stadt, hoch zur Jägerallee – und dann nach Köllnischfeld: „Wenn es hier geschneit hat, dann brauche ich den ganzen Berg hoch und zurück über eine Stunde“, erzählt Schalk. Jetzt geht es etwas zügiger. Trotzdem fährt auf dieser ohnehin engen Strecke die Angst mit: „Ich warte noch darauf, dass mir hier mal jemand entgegenkommt und vor den Pflug schmirgelt“, sagt er. Bisher hatte er Glück. Oben schiebt Schalk die Parkplätze frei und macht sich auf den Rückweg.

Schalks Fahrzeug: Ein Unimog, Baujahr 1991.
  • Schalks Fahrzeug: Ein Unimog, Baujahr 1991.

Morgens um 4 oder 5 Uhr, wenn sich der Deisterstädter noch einmal im Bett umdreht, startet der 50-Jährige den 120 PS starken Motor seines Fahrzeugs das erste Mal. Dann hat er neben sich seine Prioritätenliste liegen. Er ist „Springe oben“. Eigentlich. Denn seit eines der Bauhof-Fahrzeuge ausgefallen ist, fährt Schalk auch die Gebiete „Springe unten“ und Altenhagen I.

Erst kommen die Busstrecken, dann die Bergstraßen, dann der Rest. Tag für Tag. „Wenn es richtig schneit, kann man am Ende der ersten beiden Gruppen gleich von vorne anfangen. Zu den Nebenstraßen kommen wir darum erst seit Montag.“ Dazu kommt: Inzwischen ist der Schnee hartgefroren. „Das ist wie wenn sie zuhause schippen. Man kommt nicht mehr drunter.“ Seit der Schnee fällt, hat der 50-Jährige über 1000 Kilometer abgerissen, die drei Meter breite Schneeschaufel immer vorneweg. Und hinten wird gestreut.

Von Silvester, sagt Schalk, „haben wir in diesem Jahr nicht viel gehabt“. Am 31. Dezember kämpfte er mit den Bauhof-Kollegen bis 21 Uhr gegen den Schnee – und am Neujahrsmorgen ging es um 4 Uhr wieder auf die Straße. Schalk nimmt‘s gelassen: „Das ist nun mal so.“ Wer Bereitschaft hat, schiebt. Im 20. Jahr arbeitet Schalk inzwischen beim Bauhof – aber so viel Schnee über so viele Tage wie jetzt hat er noch nie gesehen in Springe. Er fährt über den Bahnübergang an der Fünfhausenstraße, dreht das Radio lauter. Der Wetterbericht kündigt Neuschnee zum Wochenende an. „Das könnte lustig werden“, sagt Schalk. Und man wird den Eindruck nicht los, dass er es so meint.

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