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Befürworter müssten am OHG mittlerweile Repressalien befürchten / SPD und Linke kritisieren Kultusminister-Besuch

IGS-Streit: Grüne sehen „einschüchternde Atmosphäre“

Springe (mari). Die SPD, die Grünen und die Linken kritisieren den Auftritt von Kultusminister Bernd Althusmann am Donnerstag in Springe scharf. Er habe eine CDU-Werbeveranstaltung zur Oberschule abgehalten und sich vor den Karren der bildungspolitischen Geisterfahrer spannen lassen, mokiert sich die SPD.


Althusmann hatte sich in seinem Vortrag deutlich gegen die Gründung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Springe ausgesprochen. Das Otto-Hahn-Gymnasium werde durch den Abgang der Schüler geschwächt. Deshalb sei eine IGS Springe vermutlich gar nicht genehmigungsfähig, so Althusmann.

Eine Aussage, die der Chef der Springer Grünen, Thomas Hüper-Maus, als „besonders empörend“ bezeichnet. Althusmann stelle sich übers Gesetz. Seine Schülerzahlenprognose sei genauso unfair wie merkwürdig: Als drittgrößtes Gymnasium Niedersachsens könne das OHG wohl kaum von Schließung bedroht sein.

Hüper-Maus weiter: „Es ist befremdlich, wie sich der Schulelternrat des OHG, insbesondere in persona ihres Vorsitzenden, von der CDU instrumentalisieren lässt.“ Das Ergebnis sei eine „einschüchternde Atmosphäre“, die Schüler, Eltern und Lehrer, die die IGS befürworten, „bei einem Outing Repressalien befürchten lässt“.

Das OHG habe schon vor zehn Jahren, als die Abiturjahrgänge dreizügig waren, tolle Leistungskurse gehabt. Und: Fast alle heutigen Angebote seien schon damals im Programm gewesen, will Hüper-Maus die Argumente des Elternrates widerlegen.

Der Sprecher der Linken, Axel Seng, macht eine einfache Rechnung auf: „Wenn das Gymnasium in Springe so gut ist wie sein Ruf, dann werden Springer Eltern ihre Kinder weiterhin dort hinschicken. Wenn eine IGS allerdings alle Schüler an sich bindet und damit das Ende des dreigliedrigen Schulsystems einläuten würde, kann man nur sagen: Das Beste setzt sich durch.“

Dass sich Althusmann als Moderator im Springer Schulstreit angeboten hat, bezeichnet Seng als Skandal. Der Minister sei ja nicht neutral, sondern Initiator der Oberschule.

Für die SPD war der Ministerbesuch „ein Aufmarsch der Ewiggestrigen“, bei dem unseriöse Zahlen vorgelegt worden seien. Sprecher Michael Buckup: „Es droht weder der Untergang des Abendlandes, noch der des Otto-Hahn-Gymnasiums.“ Hege der Kultusminister Zweifel daran, könne er die Gründung einer IGS an eine Vierzügigkeit knüpfen. Bislang ist die Hürde mit fünf Klassen pro Jahrgang vergleichsweise hoch.

Buckup weiter: „Bereits jetzt gehen 360 Kinder an Schulen außerhalb unserer Stadt, weil sie hier nicht das passende Bildungsangebot finden. Diese Tendenz wird ohne eine IGS steigen, auch mit einer Oberschule.“ Das koste die Stadt 300 000 Euro Gastschulbeiträge jährlich. „Die CDU muss schon sehr gute Ausreden haben, wenn sie für ihr Beharren auf dem Bildungskonzept aus dem 19. Jahrhundert dem Steuerzahler diese unnötigen Ausgaben aufbürdet.“


Die Stellungnahmen der einzelnen Parteien in Originalwortlaut und -länge finden Sie unter www.ndz.de/schulstreit

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