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Der Ratsvorsitzende Helmut Kürsten (SPD) dankt nach 20 Jahren Politik ab

„Ich habe mich nie verbiegen lassen“

Springe (mari). „Springe ist schön.“ Immer wieder sagt Helmut Kürsten den Satz. „Wer das nicht glaubt, der sollte mal wieder mit den Augen eines Besuchers durch die Stadt gehen. Dann merkt man, wie schön es hier ist.“ Der 67-Jährige hält kurz inne, dann sagt er es noch einmal: „Springe ist schön – und das lasse ich mir auch nicht kaputtreden.“

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Die Liebe zur Deisterstadt flammte vor knapp 40 Jahren auf. Damals suchten Kürsten und seine Frau Marita – er kam aus Kirchrode, sie stammt aus Düsseldorf – im Großraum Hannover nach einem Eigenheim. „Springe war ideal“, erinnert er sich. „Schulen, Ärzte, ein Krankenhaus, Einkaufsmöglichkeiten – alles vor Ort. Und dazu die schöne Landschaft.“

Vor 50 Jahren ging Kürsten in die Gewerkschaft. In die Partei trat er ein, als SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt abgewählt wurde. Ab 1991 saß Kürsten im Orts- und Stadtrat. Außer im Jugendhilfeausschuss hat der Druckereifachkaufmann in allen städtischen Ausschüssen mitgewirkt, besonders gern war er im Feuerschutzgremium. Warum das Engagement? „,Junge, Du bist verpflichtet, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.’ Dieser Satz meines Vaters hat mich geprägt.“

Also sagte er auch ja, als ihm vor fünf Jahren der Ratsvorsitz angeboten wurde. Eine schöne Zeit. Doch manches Mal habe er sich zurückhalten müssen, um sein Gegenüber nicht wegen zu deftiger Ausdrucksweise zu rügen. Diejenigen, die ihr Handy bimmeln ließen, ermahnte er regelmäßig. Gehasst habe er es auch, wenn ein Politiker in den Sitzungen eine SMS tippte. „Ungehörig.“ Auch Bürgermeister Jörg-Roger Hische sei da kein Waisenknabe: „Der soll nicht glauben, dass ich das bei ihm nicht mitbekommen habe...“ Hische selbst verabschiedete Kürsten jüngst mit den Worten: „Er bleibt uns als Raubein mit Ecken und Kanten in Erinnerung.“ Für den Rentner durchaus ein Lob: „Ich habe immer versucht, mich nicht verbiegen zu lassen.“

Springe könnte nach Kürstens Geschmack noch schöner sein, wenn endlich das Bürgerbüro käme. Die Diskussion begleitet den Sozialdemokraten seit 20 Jahren. Von Baudezernent Hermann Aden erwartet er außerdem ein aggressives Werben um Gewerbetreibende: „Nur mit der linken Hand geht das nicht!“

Ganz zurückziehen wird sich Kürsten nicht. Die Ratssitzungen will er künftig von den Zuschauerplätzen aus verfolgen („Ich muss mich doch informieren“). Er bleibt im SPD-Arbeitskreis „Feuerwehren“ auf Unterbezirksebene, will sich weiterhin im Springer Museum engagieren, macht ver.di-Seniorenarbeit, ist IHK-Prüfer, bietet kostenloses Gedächtnistraining an und bleibt zusammen mit Ex-Ortsbürgermeister Jürgen Trotte im Vorstand des Fördervereins „Kunst und Kultur“. Und doch werde es bald wohl ein bis zwei Tage in der Woche geben, an denen kein Eintrag im Kalender stehe. „Darauf freue ich mich schon.“

Die freie Zeit wird er auch nutzen, um die Schönheiten seiner Heimatstadt intensiver zu genießen. „Das Gegensätzliche mag ich besonders: Einerseits die Ruhe, andererseits bin ich jeden Freitag von dem bunten Treiben auf dem Wochenmarkt hellauf begeistert.“ Eine kleine Markthalle in der Innenstadt ist denn auch seine große Vision.

Ob er hier dauerhaft wohnen bleibt? Was für eine Frage… „Springe ist schön – wir sollten alle nur mehr davon überzeugt sein.“

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