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Angeklagte vom Vorwurf des Trickbetrugs freigesprochen

„Ich dachte, er sei ein seriöser Geschäftsmann“

Eldagsen (ric). Es gibt sie immer wieder, die dubiosen Geschäftsleute, die älteren Bürgern an der Haustür den einen oder anderen Deal vorschlagen – und sie dabei übers Ohr hauen. Gestern wurde am Amtsgericht gegen zwei Männer (56 und 23) verhandelt, die im Verdacht standen, eine solche Tat in Eldagsen begangen zu haben. Beide wurden jedoch freigesprochen.


Ursache war das lückenhafte Erinnerungsvermögen der vermeintlich geschädigten 69-Jährigen. Und die Tatsache, dass ihre Aussagen im Widerspruch zu denen bei der Polizei standen. Unstrittig ist, dass der 56-Jährige am Mittag des 15. Dezember 2009 vor der Wohnung der Frau stand und anbot, Schmuck gegen Bares zu tauschen. Der Rest klang wie in den Fällen, vor der Präventionsexperten immer warnen: „Er war sehr nett und vertrauenserweckend, ich dachte, er sei ein seriöser Geschäftsmann“, so die Zeugin. Aus dem Nachlass ihres Mannes hatte sie eine Vielzahl eher geringwertiger Schmuckgegenstände aufbewahrt. Der Angeklagte sei dann noch zweimal wiedergekommen, hatte ihr Gelegenheit gegeben, nach noch mehr Sachen zu suchen. „Ein paar legte er sich zur Seite, die ihn offensichtlich interessierten.“

Beim dritten Mal soll auch der Jüngere der beiden dabei gewesen sein. Dann passierte es: „Ich bin nur noch schnell in die Küche gegangen, da waren sie mit dem Schmuck verschwunden.“ Handelseinig sei man sich zuvor lediglich über eine Prothese mit Goldzahn geworden – das Gebissteil verkaufte die Frau für 20 Euro.

Die 69-Jährige erstattete Anzeige, war sich sicher, dies unmittelbar im Anschluss getan zu haben – das Protokoll belegte allerdings, dass die Aussagen erst am Folgetag gemacht wurden. Auch konnte sich die Eldagsenerin nicht mehr genau erinnern, welche Gegenstände eigentlich verschwunden waren oder welche Kaufpreishöhe sie vereinbart hatte. Zumindest zwei Uhren und einen Orden will sie auf den Polizeibildern wiedererkannt haben. Die Beamten konnten die Verdächtigen anhand von Lichtbildern ihrer Kartei zuordnen. Eine weitere Seniorin, bei der sie auch geklingelt hatten, musste nicht mehr aussagen – es war zu keinem Geschäft an ihrer Haustür gekommen.

Richterin Pamela Ziehn folgte dem Staatsanwalt, der Freispruch gefordert hatte. Die Aussagen reichten nicht für eine Verurteilung. Nicht auszuschließen, so der Staatsanwalt, dass es aufgrund des „Verhandlungsgeschicks eines Geschäftsmannes“ zu einem Missverständnis kam – und er tatsächlich alles für insgesamt 20 Euro gekauft hatte.

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