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Flüchtlinge in Springe: Ein Überblick, wo und wie sie unterstützt werden

Hilfe für die Helfer

Springe. Sie kommen aus Syrien oder dem Irak und hoffen auf ein sicheres Leben in Deutschland für sich und ihre Kinder. Seit 2012 hat sich die Zahl der Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen und in Springe ein neues Zuhause finden wollen, versechsfacht. Bis Ende Januar allein muss die Deisterstadt 177 weitere Flüchtlinge aufnehmen. Die NDZ zeigt, wo diese Menschen Hilfe bekommen und wie alle Leserinnen und Leser selbst helfen können.

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Autor:

von Jennifer Schüller

„Die Resonanz hat stark zugenommen, seit das Thema in den Medien noch einmal häufiger aufgegriffen wird“, sagt Ursula Trommer-Kassir vom Fachbereich Soziales. Beinahe täglich bekomme sie mehrere Anrufe von Menschen, die den Flüchtlingen helfen möchten. Viele bieten Wohnraum oder auch Möbel an. Diese können beim städtischen Möbellager an der Hamelner Straße abgegeben werden. „Das Engagement ist toll“, sagt Trommer-Kassir. Und auch sehr willkommen – denn das einzige Hab und Gut, mit dem die meisten Familien in Springe ankommen, ist das, was sie am Körper tragen.

Viele haben dramatische Reise hinter sich, haben alles verkauft, um ihre Flucht finanzieren zu können. Nachdem sie von der Stadt in Empfang genommen wurden, ist eine der ersten Stationen der Flüchtlinge häufig der Kinderschutzbund. In den Räumen im DRK-Haus werden die Kinder komplett eingekleidet. „Wir werden von den Spenden im Moment fast überrollt“, sagt Britta Lehnhardt, Familienberaterin des Kinderschutzbundes. Das sei auch gut so, weil Kleidung, Schuhe und Spielzeug auch dringend benötigt werden, räumt sie ein – allerdings habe die Einrichtung Probleme die Artikel zu lagern und zu sichten. Die Ehrenamtlichen reichen einfach nicht aus die anfallende Arbeit zu bewältigen.

„Wir brauchen Leute, die mitten im Leben stehen und sich vorstellen können, ein paar Stunden vorbeizukommen und beim Sortieren zu helfen“, sagt Lehnhardt. Und das außerhalb der Verkaufszeiten, denn dann „ist zu viel los“.

Das Problem der Lagerung von Kleidung und Spielzeug sprach Roswitha Prüssing, Vorsitzende des Kinderschutzbundes, auch bei der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses an. Die Stadt versprach ihr, bei der Suche nach einem geeigneten Lagerraum zu helfen.

Doch der Kinderschutzbund sorgt nicht nur mit Spenden dafür, dass die Flüchtlinge einen guten Start in Deutschland bekommen, sondern bietet ebenfalls Deutschkurse an und veranstaltet regelmäßig ein internationales Frauenfrühstück. Und dass diese Angebote wirken, kann Lehnhardt bestätigen. „Wir haben eine Gruppe von rund 20 Frauen, die im vergangenen Jahr nach Springe gekommen sind. Die haben sich hier toll eingelebt“, sagt die Familienberaterin.

Die zwischenmenschliche Hilfe ist es auch, die bei den Integrationslotsen groß geschrieben wird. Sie begleiten die Flüchtlinge etwa bei Behördengängen oder Arztbesuchen, helfen aber auch beim Einkauf. Denn, wie Trommer-Kassir weiß, ist für die meistens Flüchtlinge alles erst einmal total fremd und die Menschen für jede Orientierungshilfe dankbar. „Ich habe es jetzt schon häufiger erlebt, dass sich Nachbarn der Flüchtlinge annehmen“, sagt Trommer-Kassir. Das sei vor allem im Hinblick auf die Integration der Menschen wichtig.

Auch deshalb bevorzugt die Stadt weiter, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Die Erfahrung zeige, dass sich die Neuankömmlinge so schneller einleben. Das Krankenhaus, das in der Bevölkerung immer wieder als potenzielle Flüchtlingsunterkunft gehandelt wird, komme deshalb nicht infrage, bestätigt auch Clemens Gebauer in der Sitzung des Sozialausschusses.

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