weather-image
27°
200 Bürger folgen der Einladung zur Informationsveranstaltung von Landwirt Christian Deiters

Hähnchenmast: „Miese Ängste geschürt“

Boitzum (jemi). „Ich hätte nicht gedacht, dass so ein großer Informationsbedarf besteht“, sagte Christian Deiters zur Begrüßung. Mit einer Bürgerveranstaltung informierte der Landwirt in der Scheune des Hofs seiner Familie zum geplanten Bau einer Hähnchenmastanlage. Neben Deiters waren Springes Erszer Stadtrat Hermann Aden und Henning Pieper von der Landwirtschaftskammer als Redner erschienen.

270_008_4296384_IMG_1874.jpg

Deiters, Student der Landwirtschaft, erklärte den etwa 200 Besuchern, warum er zwei Hähnchenmastanlagen zwischen Boitzum und Wülfinghausen errichten möchte. „Ich werde bald mit dem Studium fertig sein und möchte dann auf dem Hof mit einsteigen.“ Allerdings reiche das Geld für zwei Familien nicht aus, wenn allein der bestehende Ackerbau fortgeführt werde. Außerdem seien Hähnchen die „Zukunft der Landwirtschaft“ – das bestätigte später auch Henning Pieper. Am wichtigsten war Deiters an diesem Abend aber, den Bürgern die Angst vor dem geplanten Stall zu nehmen.

So versicherte er, dass insgesamt nur zwei Ställe geplant seien. Darüber hinaus werde man nicht aktiv. Zunächst einmal würde auch nur eine der beiden Anlagen mit je 37 800 Hähnchen errichtet. Dann ging er auf die Punkte ein, die die eine Bürgerinitiative und andere Anwohner gegen den Bau formuliert hatten. So würde die Hähnchenfarm mit genug Abstand zu den umliegenden Orten gebaut – nämlich zwischen 800 Meter und 1,4 Kilometer weit we. Nur 300 Meter seien Pflicht.

Auch das Verkehrsaufkommen rund um die Anlage halte sich in Grenzen: „Ein Lkw kommt zu Beginn der Mast, vier bis fünf kommen am Ende und ein Mal pro Woche wird Futter gebracht.“ Außerdem beruhigte Deiters die Anwohner, die befürchtet hatten, ihre Immobilienpreise würden wegen einer Mastanlage sinken: „Diese Sorge ist wegen des angesprochenen Mindestabstands unbegründet.“ Doch nicht nur strategisch sieht Deisters sein Projekt gut aufgestellt – auch die Haltung der Tiere sei unproblematisch: „Sie sind unter ständiger Kontrolle und können ihrem natürlichen Verhalten nachgehen.“

Dass es sich bei dieser Art von Hähnchenmast trotz der fast 40 000 Tiere auf engem Raum nicht um Tierquälerei handele, könne man auf dem Versuchshof Ruthe bei Sarstedt nachvollziehen. Sogar eine Busreise dorthin will Deiters organisieren. Hermann Aden, der für die Bauaufsicht zuständig ist, machte eingangs deutlich, dass er nicht die ethische Seite des Vorhabens diskutieren werde. Die Stadt könne nur wenig gegen den Bau der Hähnchenmastanlage tun, der Rat sich lediglich nach den objektiven Maßstäben des Land Niedersachsen richten. Würden diese alle erfüllt, schreite die Stadt nicht ein. Sie sei nur der verlängerte Arm des Landes. Da bisher alle Kriterien erfüllt zu sein scheinen, gehe er davon aus, dass die Anlage mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 80 Prozent gebaut werde.

In der anschließenden Fragestunde ging es vor allem um Feinstaubbelastung, Lärm, Geruch und Abluftfilter. Enttäuscht zeigte sich hier noch einmal die Familie Deiters: „Es werden miese Ängste geschürt und reißerische Parolen verbreitet.“ Von einigen Nachbarn müsse man sich in Zukunft distanzieren.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare