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Gutachter will Gestorfs Schule schließen

Gestorf/Eldagsen. Ein Gutachten zur Springer Schullandschaft empfiehlt, die Grundschule Gestorf mit Bennigsen zusammenzulegen. Auch Eldagsen bekommt demnach massive Probleme. Gestorfs Ortsbürgermeister Eberhard Brezski reagiert ungehalten – und schimpft auf „Biregio“ als „externe Beraterklitsche“.

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Autor:

Jennifer Schüller UND CHRISTIAN ZETT

Gestorf/Eldagsen. Derzeit besuchen 59 Kinder die Grundschule in Gestorf. Langfristig nicht genug, sagt die Bonner Firma „Biregio“: Ihr Gutachten zur Springer Schullandschaft empfiehlt, den Standort mit Bennigsen zusammenzulegen. Auch Eldagsen bekommt demnach massive Probleme. Gestorfs Ortsbürgermeister Eberhard Brezski reagiert ungehalten – und schimpft auf „Biregio“ als „externe Beraterklitsche“.

Nach Berechnungen der Firma wird sich die Schülerzahl in Gestorf in den kommenden fünf Jahren fast halbieren. Auch der Grundschule in Eldagsen prognostizieren die Experten einen massiven Rückgang der Schülerzahlen – um rund ein Drittel von 159 Kindern auf 108. Um trotzdem eine bestmögliche Versorgung zu erreichen, empfiehlt das Bonner Team um Anja Reinermann-Matatko eine Zusammenlegung der Grundschulen in verschiedenen möglichen Kombinationen.

Die Empfehlungen basieren zum einen auf einer Beobachtung der Schülerzahlen in Springe und Umgebung seit 1994 sowie auf Bevölkerungsanalysen der einzelnen Springer Ortsteile. Dabei kam heraus, dass sowohl die Schüler- als auch die Geburtenzahlen fast überall rückläufig sind. Demnach würden im Jahr 2020 nur noch 37 Kinder die Gestorfer Schule besuchen – selbst eine Einzügigkeit der Klassen sei nicht mehr gegeben.

Auf diesen Zahlen basierend stellte Reinermann-Matatko die Variante vor, entweder die Grundschule Gestorf oder die Grundschule Eldagsen mit Bennigsen zusammenzufassen. Da in den kommenden Jahren im Zuge der Inklusion die städtische Lernförderschule Peter Härtling in Bennigsen vermutlich nach und nach auslaufen werde, so die Bonner Expertin, stünden dort zahlreiche gut erhaltene Unterrichtsräume frei – plus Schwimmbecken und Turnhalle vorhanden. Platz sei also genug.

Zahlen sind eine Sache – Emotionen und Ortsteil-Interessen eine andere. Schließlich stellt eine eigene Schule für viele Familien ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Wohnortes dar. Brezski zeigte sich gestern auf Nachfrage deshalb unbeeindruckt vom Gutachten der Bonner Firma. „Das war ja zu erwarten“, polterte er. „Mich interessiert das Gutachten nicht, wir haben ein Wahljahr vor uns.“ Auf seiner Facebook-Seite erläuterte er seine Position in einem öffentlichen Eintrag später genauer.

Darin unterstellte er der Stadt indirekt, das Ergebnis so gewünscht zu haben: Schließlich habe die Verwaltung auch „die Initiativen der Gestorfer Eltern zur Entwicklung eines Ganztagsbetreuung in Eigenregie mehrfach hintertrieben und verhindert“. Alles über die IGS-Analyse hinaus könne besagte „externe Beraterklitsche im kommunalen Umfeld nach meinen Erfahrungen nicht gewährleisten“. Der in jedem Fall nötige Umbau in Bennigsen werde ohnehin mehrere Jahre dauern: Bis dahin sei man auf die Grundschule Gestorf angewiesen.

Ralf Burmeister, Ortsbürgermeister in Eldagsen, kann sich nicht vorstellen, dass die Grundschüler aus seinem Ort in Bennigsen beschult werden. „Wenn ich mir die Geburten in den vergangenen Jahren angucke, glaube ich nicht, dass wir Probleme kriegen.“ Zudem gingen nicht nur Kinder aus Eldagsen auf die Grundschule Hallermund, sondern auch aus Mittelrode, Holtensen und Alferde. Der Kindergarten sei zudem bewusst direkt neben der Schule neu gebaut worden: „Da ist eine Symbiose entstanden.“

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