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Großeltern getötet: Enkel muss in die Psychiatrie

SPRINGE/HANNOVER. „Wenn ich schuldig bin, möchte ich in den Knast. Die Psychiatrie in Wunstorf ist das Schlimmste!“ Der Wunsch des 27-Jährigen am Dienstag im Schwurgerichtsprozess in Hannover erfüllte sich jedoch nicht:

Am Tatabend vor dem Haus der Großeltern: Ermittler suchen nach dem doppelten Tötungsdelikt nach Spuren. Foto: MISCHER/ARCHIV

Autor:

AXEL STURM

Die Richter der 13. Strafkammer des Landgerichts urteilten anders. Der Sozialhilfe-Empfänger, der im Herbst in Springe seine Großeltern tötete, wird die nächsten Jahre in der geschlossenen Abteilung des Landeskrankenhauses verbringen.

Der Mann hatte seine beiden Opfer am 2. November 2016 im vierten Stock eines Mietshauses in der Magdeburger Straße abends mit unzähligen Messerstichen ins Gesicht und Kopf umgebracht. Nachbarn hatten die lauten Rufe seines Opas (75) gehört: „Hilfe Polizei!“ Kurz darauf auch die Entsetzensschreie der Oma (82), die den Kosenamen des Enkels rief. Die Zeugen alarmierten die Polizei.

In der Zwischenzeit hatte der Messerstecher die Wohnung durchsucht. Möglicherweise nach Geld? Dann flüchtete er. Auf der Straße traf er einen Passanten, sagte: „Ich habe riesengroße Scheiße gebaut!“. Kurz darauf wurde er dann von der Polizei festgenommen.

Seit vergangener Woche sitzt er als Beschuldigter auf der Anklagebank des Schwurgerichts Hannover. Sein Bekenntnis: „Ich kann mich an nichts erinnern!“

Er war schon einmal aufgefallen. Vor sechs Jahren marschierte er nackt in ein Springer Altersheim, um angeblich Verwandte zu besuchen. Bei der Festnahme durch die Polizei biss er zwei Beamte dienstunfähig. Er wurde danach angeklagt wegen Körperverletzung. Ein Gutachter stellte im damaligen Prozess die Schuldunfähigkeit des Angeklagten fest. Eine Strafkammer des Landgerichts wies ihn daraufhin wegen einer schizoiden Erkrankung in die Psychiatrie Wunstorf ein. Im November 2015 wurde er mit der Auflage entlassen, ambulant Medikamente einzunehmen.

Im August 2016 setzte der unter Betreuung stehende Patient seine Psychopharmaka eigenmächtig ab. Seine Schizophrenie brach immer stärker durch. Er hörte Stimmen, fühlte sich von Dämonen besessen. Nach NDZ-Informationen wollte sich der 27-Jährige durch einen Exorzisten in Polen von seinen Quälgeistern befreien lassen. Er soll einen Monat vor seiner Messerattacke von seinen Großeltern 5000 Euro gefordert haben.

Die hatten ihn jahrelang finanziell unterstützt, lehnten aber die Forderung ab. War das ihr Todesurteil? Ein Nachbar zur NDZ: „Für die Großeltern war er ihr Ein und Alles.“

Der Staatsanwalt beantragte die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus. Verteidiger Christian Berger (48): „Dieser Fall ist eine einzige Tragödie. Ein Gutachter hat festgestellt, dass mein Mandant zur Tatzeit unfähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Er war auch nicht in der Lage, seine Erkrankung zu erkennen.“

Vorsitzender Richter Wolfgang Rosenbusch: „Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wird angeordnet.“ Der Richter: „Sie sind praktisch ohne Vater und mit einer kranken Mutter aufgewachsen.

Die Großeltern waren die einzigen Menschen, die für Sie da waren. Wir wissen, dass Sie das Messer genommen haben. Die Gesichter und Köpfe ihrer Großeltern wurden fürchterlich verunstaltet. Eine derartige Übertötung habe ich noch nicht erlebt. Für uns sind Sie ein Patient. Das Gesetz verbietet es uns, Sie ins Gefängnis zu schicken.“

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