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Göbel: Springes großer Sohn wird nächstes Jahr 200

Es ist still geworden um den einst größten Sohn der Stadt. Dabei wäre Heinrich Göbel nächstes Jahr 200 Jahre alt geworden. Doch während die Stadt die runden Geburtstage des Erfinders früher mit Festen und der Einweihung von Denkmälern beging, gibt es noch keine konkreten Pläne, das Datum zu würdigen. Eine Spurensuche.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

SPRINGE. Na klar, es gibt ihn noch im Stadtgebiet. Allüberall. Gleich zwei Kernstadt-Straßen sind nach ihm benannt – die Heinrich-Göbel-Straße und die Göbelbastei. Es gibt die riesige Glühbirne als Denkmal, ein weiteres steht neben dem Amtsgericht. Eine Plakette erinnert an sein vermeintliches Geburtshaus, zumindest gewohnt hat er dort mal, da ist man sich einig. Und da ist noch die Realschule, die allerdings in wenigen Jahren der Vergangenheit angehört. Nicht wegen Göbel selbst, sondern weil sie durch die Gesamtschule ersetzt wird.

1968, der 20. April, ein Sonnabend: Heinrich Göbel wäre an diesem Tag 150 Jahre alt geworden. In Springe haben einige Geschäftsleute sogar ihre Schaufenster dekoriert. Am Nachmittag eröffnet eine Göbel-Ausstellung in der damaligen Kreissparkasse ihre Türen. Abends lädt die Stadt zu einem Festakt in die Göbel-Realschule, vorher führt ein Fackelzug zur Göbelbastei, die Jugend tanzt bei einer Feier im heutigen Kulturheim. Und das ist nur der Auftakt zu einer ganzen Festwoche, die mit einem Heinrich-Göbel-Ball in der Deisterpforte endete.

Auch 1993 wurde zum 175. Geburtstag ein großes Göbelfest gefeiert, dazu kam die Einweihung des Denkmals am Amtsgericht. Und heute? Wovon die Stadt ausgeht: Dass bis zum April 2018 die große Glühbirne über Springes Dächern wieder voll erstrahlen soll. Sie war 1954 errichtet und später durch ein neues Modell ersetzt worden.

In den vergangenen Jahren waren die verbauten Leuchtröhren allerdings nach und nach schwächer geworden – bis das Licht nachts kaum noch zu sehen war. Die Stadt arbeitet nun an einer finanzierbaren Reparatur und hat bereits mit Sponsoren gesprochen. Und: Für eine Feier im kommenden Jahr zeigt sich Bürgermeister Christian Springfeld durchaus offen: „Vielleicht ist das ein guter Anlass, mal wieder in Richtung eines richtigen Stadtfestes zu denken.“ Dass Göbels Beitrag zur Erfindung der Glühbirne inzwischen mehr als umstritten ist, störe ihn nicht: Göbel sei trotzdem „ein großer Sohn der Stadt“, auf den man als Lokalpatriot positiv schauen könne. Das Licht spiele nach wie vor eine große Rolle in Springe – nicht zuletzt durch die Firmen Nordeon und Paulmann. Die Stadt könne allerdings nicht alleine ein komplettes Festprogramm aus dem Boden stampfen: „Ich bin froh über Feedback und über jeden Anstoß von denjenigen, die das auch für eine gute Idee halten.“

Ein ganz anderer Göbel-Umsatz findet sich übrigens auf der Internetseite der Stadt: Dort heißt es in einem Abschnitt über Sehenswürdigkeiten, ob Göbel die Glühlampe nun erfunden habe oder nicht, sei „streitbar“ – die Springer „lieben ihren berühmt gewordenen Bürger trotzdem“.

Dass dem Erfinder inzwischen mit Blick auf seine vermeintlichen Patente auch Lügen unterstellt würden, sieht man im Rathaus eher als Marketing-Chance: Auch „der Baron von Münchhausen ist für seine Stadt eine bedeutende Persönlichkeit wie Heinrich Göbel für die Springer“, heißt es dort.

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