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Gleichstellungsbeauftragte: Hanne Finkes letzter Arbeitstag

SPRINGE. 22 Jahre hat sie die Stadt Springe mit ihrem Wissen und ihrem Engagement bereichert: Am Montag hat Hanne Finke ihren letzten Arbeitstag. Sie geht in den Ruhestand.

Am Montag hat Hanne Finke ihren letzten Arbeitstag. Sie freut sich vor allem auf eins: mehr Zeit haben. Foto: Hermes
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Fast elf Jahre lang hatte sie den Posten als hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte inne. „Dann wurde das Gesetz geändert und den Kommunen in der Größe wie der Stadt Springe stand es frei, den Posten auch ehrenamtlich zu bekleiden.“ Daher übernahm sie 2006 in Teilzeit eine Sozialarbeitsstelle, 2010 kam eine halbe Stelle im Familienbüro dazu „Damit hatte ich dann meine 40 Stunden voll.“

Die Füße still halten, wolle sie aber trotz Ruhestand nicht. „Ich werde mich auch weiter ehrenamtlich engagieren“, sagt Finke. „In welcher Form weiß ich noch nicht, Ideen habe ich aber schon.“ Kaum hat sie den Satz gesprochen, klopft es an ihrer Tür. Obwohl sie aktuell keine Sprechstunde hat, stehen Menschen auf dem Flur, die ihre Hilfe benötigen. Eigentlich ist sie für deren Anliegen nicht mehr zuständig. Eigentlich. „Aber nur sie können helfen, Frau Finke“, sagt der Mann, der draußen vor ihrer Bürotür steht. Hanne Finke überlegt. Dann antwortet sie: „Kommen Sie am Montag vorbei, dann schauen wir gemeinsam, was wir tun können. Wir finden schon eine Lösung.“ Auch an ihrem letzten Arbeitstag setzt sich für diejenigen ein, die Hilfe benötigen. „Ich kann nicht anders.“

Bei der allgemeinen Sozialarbeit sei ihre zentrale Aufgaben gewesen, Menschen ein zugängliches Angebot der Beratung und Begleitung, Hilfe und Unterstützung zu unterbreiten. Im Mittelpunkt stünden die Klienten mit ihren Bedürfnissen sowie die Lösungserarbeitung für Fragen und Probleme. „Dafür habe ich extra eine Zusatzausbildung im Bereich der Beratung gemacht.“ Und die hat sich gelohnt. Denn auch bei ihrer Tätigkeit im Familienbüro drehte sich vieles um Beratung.

„Wir beraten sowohl die Tagesmütter und -väter als auch die Eltern“, sagt Finke. „Welche Form der Kinderbetreuung kommt infrage – Krippe oder Tagespflegepersonen? Wo gibt es noch freie Plätze? Was kostet das Angebot? „Alles Fragen, die von uns beantwortet werden wollen.“ Auch bei Konflikten zwischen Eltern und Betreuungsperson versuche das Familienbüro zu vermitteln.

Bei den zwei Jobs sei es immer eine Herausforderung gewesen, zwischen beiden Tätigkeiten hin und her zu wechseln. „Viele haben sich die jeweiligen Sprechzeiten nicht gemerkt und mich mit ihrem Anliegen einfach in meinem Büro besucht – egal ob ich nun Sprechstunde hatte oder nicht.“

Wenn sie am Montag in den Ruhestand geht, wird sie vor allem eines vermissen: die Projektarbeit. „Mir hat es immer viel Spaß gemacht, etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Finke. Zum Beispiel für das Netzwerk „Frühe Hilfen“. Dabei handele es sich um ein Projekt der Region Hannover, das auch nach Springe geholt wurde. „Frühe Hilfen sollen frühe Chancen sein, damit Kinder gesund aufwachsen und bestmöglich gefördert werden“, erklärt Finke. Besonders die Vernetzung und die Kontakte zu anderen Einrichtungen oder Vereinen werde sie vermissen. „Es hat einfach Spaß gemacht, zusammen etwas zu erarbeiten und sich einzusetzen.“

Was ihr hingegen gar nicht fehlen werde, sei der Stress. „Es ist gut, dass ich das Gefühl, zuständig sein zu müssen, abgeben kann.“ Zudem sei es befreiend, die Sorgen der Klienten nicht mehr mit nach Hause nehmen zu müssen. „Ich werde mich dauerhaft wohl etwas leichter fühlen.“

Angst vor Langeweile hat sie nicht. „Ich freue mich darauf, Zeit zu haben. Zeit zu klönen. Zeit, Bücher zu lesen. Zeit für Gartenarbeit. Zeit, Musik zu machen.“

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