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Verwirrung im Ortsrat: Schmelzer ist offenbar bereits Vize-Bürgermeister – und keiner hat’s gemerkt

Gewählt, nicht gewählt – und jetzt?

Springe (mari). Die Posse um die Wahl des stellvertretenden Springer Ortsbürgermeisters setzt sich fort: Bewerber Tim Schmelzer (CDU) hat – entgegen der Meinung von Politikern und Verwaltung – bei der Abstimmung im Ortsrat ausreichend Stimmen erhalten. Er ist deshalb längst im Amt.

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Das zumindest sagt der Münderaner Axel Drömer, der mehrere Jahre in der Kommunalabteilung des Innenministeriums gearbeitet hat. „Der betreffende Paragraf und alle Kommentierungen sind eindeutig“, so Drömer. Er wundere sich, dass der Fauxpas niemandem aufgefallen ist.

Drömer hat Ortsbürgermeister Carsten Marock (SPD) sowie Schmelzer (CDU) jetzt über die Gesetzeslage informiert. Schmelzer ist genauso erstaunt wie amüsiert: „Das ist schon irgendwie lustig. Ich weiß selber nicht, wie ich mit der neuen Erkenntnis umgehen soll.“

Marock geht davon aus, dass Schmelzer den Posten nicht angenommen hat. Er sei folglich nicht im Amt. Drömer hält dagegen: „Herr Schmelzer ist gewählt worden. Will er nicht, muss er offiziell zurücktreten.“ Und Schmelzer? Der 38-jährige Bürokaufmann grübelt.

Er war der einzige Bewerber für den Posten des Vize-Bürgermeisters. Die Wahl am Mittwoch voriger Woche verpasste er wegen eines Infekts. Er hatte allerdings vorab schriftlich erklärt: „Im Falle einer Wahl würde ich das Amt annehmen.“

Zum Eklat kam es, als Schmelzers eigene Partei eine geheime Abstimmung beantragte. Vier Ortsrats-Mitglieder votierten mit Ja, drei mit Nein, drei enthielten sich. „Gewählt!“, glaubten die Politiker. Das stimmte nicht, fiel dem neuen Ratsherrn Lars Jungfer (Grüne) später auf: „Herr Schmelzer hätte die absolute Mehrheit gebraucht!“

Auf die Schnelle folgte ein zweiter Durchgang. Dieses Mal genügte die einfache Mehrheit. Es gab vier Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen: also ein Patt. Der Ortsrat beschloss, das Thema zu vertragen. Schmelzer las das Ergebnis am nächsten Morgen in der Zeitung und war bitter enttäuscht.

Laut Drömer stimmt aber auch die zweite Auswertung nicht. Bei nur einem Bewerber würden alle Nein-Stimmen und Enthaltungen unter den Tisch fallen: „Damit führt nur eine einzige Ja-Stimme zum Erfolg.“ Ihn ärgere maßlos, wie mit dem jungen Politiker umgegangen wurde: „Der will Verantwortung übernehmen – und dann das. Wer etwas auszusetzen hat, der soll einen Gegenkandidaten präsentieren.“ Schmelzer will in den nächsten Tagen mit dem Parteivorstand sprechen und dann entscheiden, ob er erneut an- oder aber zurücktritt.

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