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Flüchtlingsheime: Wo ist der ideale Platz?

Springe. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für eine neue Flüchtlingsunterkunft rückt ein Grundstück in den Fokus, das vor wenigen Jahren als Neubaugebiet im Gespräch war: das Feld zwischen IGS, Diakoniezentrum, den Kleingärten an der Jägerallee und den Hochhäusern am Kalkwerk.


Die Stadt muss Sammelunterkünfte für Flüchtlinge einrichten – die von der Region bezahlt werden. Dafür hat man im Rathaus fünf Freiflächen in die engere Auswahl genommen, die alle in der Kernstadt liegen. Auf Nachfrage von Politiker Jürgen Kohlenberg (parteilos) bestätigte Baudirektor Reinhard Schade im Planungsausschuss jetzt erstmals offiziell, um welche Areale es sich handelt.

Im Angebot sind eine Grünfläche an der Bahnlinie – schräg gegenüber vom Lidl-Markt am Kalkwerk – sowie der Schotterplatz am Otto-Hahn-Gymnasium (zwischen Parkplatz und B 217-Unterführung), der Standort der früheren Bison-Sporthalle sowie die Obstbaumwiese neben dem Obdachlosenheim Im Reite – plus der besagte Acker unterhalb der IGS.

Schade stellt aber auch klar: „Wir prüfen weiterhin. Auch, was in den Ortsteilen möglich ist.“ Die Priorität liege bislang auf der Kernstadt, weil der Stadt dort mehrere eigene Areale zur Verfügung stehen.

Grundstückseigentümer aus den Ortsteilen würden sich zwar zuletzt immer häufiger im Rathaus melden und Angebote abgeben, „aber es kann sich wohl jeder ausmalen, wie die Preisvorstellungen bei der derzeitigen Lage sind“, so Schade.

Um den Kommunen bei der Unterbringung der Flüchtlinge zu helfen, hat die Region Hannover hat ein 100-Millionen-Euro-Projekt aufgelegt. Das Angebot: Die Städte stellen Grundstücke zur Verfügung, die Region errichtet die Häuser, schlüsselfertig.

Dabei gehe es im Regelfall um Gebäude in Modulbauweise, erklärt Schade. „Die sind nicht minderer Qualität“, betonte er in der Sitzung des Planungsausschusses. Die Wohnungen seien zwar etwas einfacher gestaltet („zum Beispiel ohne Flur oder Diele“), jede Familie könne ihr Reich aber über einen separaten Eingang erreichen.

Eine Alternative dazu seien massive Immobilien, die deutlich länger halten und später als Sozialbauten dienen können. Für dieses Projekt käme statt der Region die Kreissiedlungsgesellschaft (KSG) als Partner infrage. Entscheidet sich die Stadt für eine Zusammenarbeit mit der Region, müssen sich beide Behörden auf Grundstücke einigen. Bauchef Schade rechnet mit einer Rückmeldung aus Hannover bis Mitte März.

„Wer entscheidet letztlich, wo genau gebaut wird?“, wollte Christdemokrat Ulrich Kalinowski im Ausschuss wissen. „Beide zusammen“, antwortete Schade. Und Bürgermeister Christian Springfeld unterstrich: „Gegen unseren Willen baut die Region da nichts hin.“

Ob eins oder mehrere Grundstücke bebaut werden und wie groß die Häuser werden (beziehungsweise, wie viele Menschen einziehen), kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt werden. Bei der Fläche an der Bahn zum Beispiel, „hängt das vom Ergebnis eines Lärmgutachtens ab“, so Schade. Auch bei jedem der anderen Grundstücke gebe es noch mehrere Planungshürden. Überhaupt: Noch sei keine Entscheidung für oder gegen eine der Flächen gefallen. Die Region hat allerdings grundsätzlich ihren Segen gegeben.

Die Fraktion der Bündnisgrünen machte im Ausschuss mit Blick auf die Bahn-Wiese deutlich: „Das ist ein interessantes Gebiet – wegen der Infrastruktur und weil es nicht irgendwo am Rand liegt. Die Lage ist günstig für die Integration.“

Auch der Kernstadt-Ortsrat diskutierte gestern Abend kontrovers über das Thema – mit überraschendem Ausgang: Das Gremium stimmte gegen eine Bebauung der Fläche am Kalkwerk. Das erschwert die Überlegungen zu diesem Thema. Schließlich hatte der Planungsausschuss einen Tag zuvor grünes Licht für das Millionen-Projekt gegeben – allerdings mit der Einschränkung, dass der Springer Ortsrat ebenfalls zustimmt. Da das Votum jedoch mit 6:5 gegen einen möglichen Wohnblock für Flüchtlinge in der Nähe des Lidl-Marktes stimmte, muss nun geklärt werden, ob der Beschluss trotzdem im Verwaltungsausschuss behandelt werden darf. Dazu konnte der städtische Baudirektor Reinhard Schade während der gestrigen Ortsrats-Sitzung noch keine endgültige Antwort geben.

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