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Fleischerei nach 50 Jahren zu: Edith Taubel blickt zurück

Bennigsen/Gestorf. Für viele gehörte die Fleischerei Taubel zum Alltag. Jetzt endet die 50-jährige Firmengeschichte aus Alters- und Krankheitsgründen. Die beiden Geschäfte in Bennigsen und Gestorf sind geschlossen. Chefin Edith Taubel blickt zurück.


Bennigsen/Gestorf. In der Mittagspause schnell mal ein Mettbrötchen geholt oder einen warmen Leberkäse zu Mittag gegessen: Für viele gehörte die Fleischerei Taubel zum Alltag. Jetzt endet die 50-jährige Firmengeschichte aus Alters- und Krankheitsgründen. Die beiden Geschäfte in Bennigsen und Gestorf sind geschlossen; die Fleischereigruppe „Gramann Ahrberg“ mit Hauptsitz in Pattensen übernahm die Bennigser Filiale. Der Standort in Gestorf, der 1964 dazu kam, steht erst einmal leer.
 Und Firmenchefin Edith Taubel ist im Stress: Die Läden müssen aufgelöst, die Maschinen und das Geschirr verkauft werden. „Alles ist gerade im Aufbruch“, sagt die 75-Jährige. Sie freut sich, dass die ehemaligen Mitarbeiter alle gut untergekommen sind. „Wir waren eine große Familie“, sagt Taubel. Getreu dem Motto „Einen für alle, alle für einen“, hätten sich die Angestellten untereinander geholfen, immer ein offenes Ohr gehabt und auch über private Sorgen gesprochen. „Ich möchte den Kontakt auf jeden Fall halten.“
 Viele Mitarbeiter haben in der Fleischerei schon ihre Ausbildung gemacht und sind dem Betrieb über lange Jahre treu geblieben. Dieser harmonische Umgang, so Taubel, werde ihr fehlen. Aber auch den Kontakt zu den Kunden werde sie vermissen: „Ich kenne das ganze Dorf.“ Sie weiß daher auch, was die Bennigser und Gestorfer an dem Betrieb geschätzt haben: Besonders der Mittagstisch sei von Älteren dankend angenommen worden.
 Andere Dinge hätten sich aber gleichzeitig grundlegend geändert – beispielsweise der Geschmack:  „Das Fleisch muss heute so mager sein wie möglich, früher hat man deftiger gegessen.“ Auch der Konkurrenzdruck in der Branche habe zugenommen. „Heute wird alles ausgeschrieben und man muss sich bewerben“, sagt Taubel. Für kleinere Betriebe sei das schwieriger.
 Auch die Verbraucher hätten ihr Verhalten verändert: „Ich frage mich auch manchmal, ob die Leute überhaupt noch kochen.“ Es gebe leider noch zu wenig Menschen, die sich Gedanken darüber machen würden, wo das Fleisch herkommt: „Gerade, wenn beide Partner berufstätig sind, muss es schnell gehen.“ Sie wünscht sich, dass sich mehr Leute erkundigen, wo das Tier herkommt und wie es verarbeitet ist.
 Jetzt freut sich Taubel auf den Ruhestand. „Ich habe nicht mehr im Kopf, was ich später noch alles tun muss.“ Sie habe mehr Zeit für ihre Familie und für lange Spaziergänge mit ihrem Hund. „Ich kann alles langsam angehen lassen.“ Aber: „Ich hatte immer großen Spaß bei der Arbeit.“

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