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Feuerwehr will aufrüsten – doch die Stadt bremst aus

SPRINGE. Es ist manchmal ein bisschen schwierig mit der Stadtverwaltung und der Feuerwehr. Denn beide sind aufeinander angewiesen: Die Erste muss der Zweiten Geld geben, damit die Zweite mit ihren vielen Ehrenamtlichen dafür sorgen kann, dass die Springer sicherer leben.

Der Wöhlbach in Eldagsen als reißender Fluss: Seit dem Hochwasser im Juli steht für die Feuerwehr fest, dass sie ein eigenständiges Messfahrzeug für Erkundungen benötigt. Foto: ARCHIV
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Einzig: Wann wie viel Geld für was nötig ist, daran reiben sich die Veranwortlichen gerne mal. Und die Politik mischt auch mit. Jüngste Beispiele: die Gespräche um die Baukosten für das Eldagser Gerätehaus. Und: Eine ausführliche – bislang hauptsächlich schriftliche – Debatte um eine halbe Million Euro für Ausrüstung und Fahrzeuge.

Das Geld will die Feuerwehr gerne ausgeben, um davon die eigene Messabteilung besser auszurüsten, etwa bei einem Gas-Alarm wie zuletzt in Lüdersen oder auf dem Springer Wertstoffhof. Besser ausgestattet sein soll die sogenannte Einsatzleitung Ort, die zuletzt etwa beim Hochwasser in Eldagsen die Arbeit koordinierte. Doch im Rathaus schüttelt man den Kopf. Und bescheinigt den Brandschützern zu wenig Sparwillen und ein nicht ausgereiftes Konzept.

„Mittelbereitstellung für die Planung Einsatzleitung Ort (ELO) durch die Feuerwehr“ heißt sie etwas umständlich, die Vorlage, die Zündstoff verspricht, wenn sie in den kommenden Wochen erst im Feuerwehrausschuss (am 22. November um 18 Uhr in der Grundschule Hinter der Burg) und schließlich im Rat besprochen werden soll.

Die Geschichte beginnt eigentlich im August, am 17., einem Donnerstag. Da schreibt Stadtbrandmeister Herbert Tschöpe einen Brief, knapp zwei DIN A4-Seiten lang. Dahinter verbrigt sich ein ausführlicheres Konzept, das genau erklärt, wo es hakt und warum. Nach der herzlichen Begrüßung („Sehr geehrter Herr Bürgermeister Springfeld, guten Morgen Christian“) wird Tschöpe konkret: Man benötige „ein eigenständiges Fahrzeug für die Messgruppe“ – das hätten oben beschriebene Einsätze zuletzt gezeigt. Das neue Auto könne aber auch für Erkundungen genutzt werden – etwa bei Hochwasser.

Bei dem Hochwasser in Eldagsen in diesem Jahr, erinnert Tschöpe Springfeld, habe man außerdem die sogenannte Einsatzleitung Ort eingerichtet. Die koordiniert bei solch größeren Maßnahmen, hält den Kontakt zur Leitstelle, pflegt Karten, koordiniert Einsätze. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil habe bei seinem Besuch in Springe „die professionelle Arbeit der Kameraden“ gelobt, erinnert Tschöpe.

Er wünscht sich nun „zum Wohle der Bürger“ eine bessere Ausstattung und zwei neue Fahrzeuge für die Einsatzleitung. Die Stadt unterstütze auch damit nicht nur die Sicherheit der Bürger, sondern motiviere auch die Einsatzkräfte.

Die Stadt hat in diesem Fall allerdings anderes im Sinne. Nämlich eine klare Absage an die Wünsche der Feuerwehr. Der Rat solle „von einer weiteren Mittelbereitstellung“ absehen, heißt es in der Stellungnahme. Stattdessen wolle man gemeinsam mit der Feuerwehr ein Einsatzleitungs-Konzept „unter Betrachtung aller Ressourcen“ entwickeln. Denn: Von diesen Ressourcen gibt es aus Sicht der Verwaltung eigentlich genug – so liest sich die Stellungnahme.

Beispiel: Eines der vorhandenen Einsatzleit-Fahrzeuge sei aktuell in der Kernstadt stationiert. Das 17 Jahre alte Auto sei komplett veraltet; nicht nur in die Digitalfunk-Nachrüstung müsse investiert werden, argumentiert die Feuerwehr. Die Stadt betont dagegen, man habe in genau diesem Auto – entsprechend der Feuerwehrwünsche – erst vor fünf Jahren einen 3000 Euro teuren neuen Stromerzeuger verbaut, vor einem Jahr 1550 Euro in die Computertechnik gesteckt und für 2018 schon 3000 Euro in Sachen Digitalfunk eingeplant. Im Jahr 2012 seien außerdem zwei Wagen aus Eldagsen und Bennigsen zu Einsatzleitwagen umgebaut und 2015 nachgerüstet worden.

Auch beim Messfahrzeug ist die Stadt zögerlich: Durch die für Hochwasser-Einsätze gewünschte Ausrüstung mit einem Allradantrieb komme man auf einen Kaufpreis von rund 90 000 Euro. Dabei sei doch der Eldagser Einsatzleitwagen gerade erst – allerdings ohne Allradantrieb – zu einem Messfahrzeug erweitert worden.

Für größere Einsätze könne die Feuerwehr außerdem jederzeit auf Wagen der Region oder aus Laatzen zurückgreifen. Obwohl man diese Ausleihen bezahlen müsse, erscheine die Lösung insgesamt „wirtschaftlicher“, heißt es aus dem Rathaus. Für alle von der Feuerwehr erhofften Fahrzeuge würden 470 000 Euro fällig. Weil die Anschaffung aus Sicht der Stadt „aktuell nicht dringlich“ scheine, rate man von der Ausgabe ab.

Nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Ausrüstung möchte die Feuerwehr für ihre Einsatzleitung haben: 43 500 Euro für Hard- und Software, ein Rettungszelt und einen Pavillon, Beleuchtung für den Einsatzort. Die Stadt? Will erst mal den tatsächlichen Bedarf prüfen.  Und wird noch deutlicher: Eine notwendige Verzahnung aller gewünschten Komponenten sei „aus dem bisherigen Konzept nicht ersichtlich“.

Dazu kommt: Bei Großereignissen behalte sich ohnehin die Region die Einsatzleitung vor, der sich Springe dann unterordnen müsse. „Insofern erscheint es aktuell nicht erforderlich, alle dargestellten Komponenten in der Haushaltsplanung“ darzustellen. Man habe, erinnert die Stadt, „mehrfach“ eine grundsätzliche Planung für die Feuerwehr angeregt.

Den letzten Seitenhieb gibt es am Ende der Vorlage: „Im Übrigen“, heißt es dort, sei die nun geplante Einsatzleitung noch gar nicht vorgesehen gewesen, als die Feuerwehr Ende 2012 ihren Bedarfsplan vorlegte. Soll wohl heißen: Warum dann jetzt?

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