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Manga-Zeichnerin trifft erste Sozialdemokratin: Junges Theater Beber glänzt mit Rosa-Helfers-Stück

Fesselnd in Szene gesetzt

Springe. Die Eine rebellisch, respektlos und egoistisch. Die Andere kämpferisch, sozial engagiert und visionär. Das Junge Theater Beber präsentiert zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können. Kim (gespielt von Kim Kurosch), die Manga-Zeichnerin in New York werden möchte, und Rosa (Johanna Abend), deren Ziel es ist, für die Gerechtigkeit zu kämpfen.

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Autor:

Christiane Nievelstein-Bläsche

Die Gemeinsamkeit, die sie zunächst teilen, ist ihr Alter. Der einzige Verbindungskanal der Fünfzehnjährigen (im wahren Leben 17 und 18 Jahre alt) stellt keine Zeitmaschine dar, sondern ein einhundert Jahre altes Tagebuch. Das gelungene Ergebnis „Rosa – Ich kann deinen Herzschlag hören“ begeisterte am Wochenende mehr als 130 Zuschauer in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums. Es ist die Geschichte einer politikverdrossenen Jugendlichen im Jahr 2013, die auf eine Gleichaltrige mit politischem und sozialem Engagement trifft. Und die wurde fesselnd in Szene gesetzt von einem grandiosen Laientheater.

Dass die Aufführung nur wenige Tage vor der Bundestagswahl stattfand, sei dem Spielplan geschuldet, so die Veranstalter. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der SPD sei die fast vergessene Hamelner Heldin Rosa Helfers bereits vor Monaten in den Fokus gerückt worden. Eine politisch und sozial stark engagierte Frau, die zur wahren Leitfigur der Sozialdemokratie avancierte. Autor Daniel Nagel nahm sich des Themas mit großem Interesse für das „Junge Theater“ an: „Wir suchten ein neues Theaterstück für die aktuelle Saison und waren von Rosa Helfers überzeugt.“ Der besondere Reiz an seiner Inszenierung sei die Verknüpfung des Lebens einer Kämpferin anno 1900 mit dem Leben eines Teenagers im 21. Jahrhundert. Zwei Welten stoßen in Nagels Stück aufeinander, gegensätzlich und abstrakt. Schreit die Rebellin der Gegenwart anfangs noch „nie würde ich mich einmischen und mich für jemanden einsetzen“, wendet sich das Blatt. „Aus scheinbar Unvereinbarem wird im Laufe der vier Akte Verständnis und Mitgefühl“, sagt Nagel. „Unser Theaterstück enthält deutliche politische Züge“ erklärt Regisseurin Peggy Zawilla. „Aber wir sehen es auch als ein Stück Geschichte, denn es beleuchtet das Zeitfenster von vor dem Ersten Weltkrieg, durch das schwarze Kapitel Drittes Reich bis nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Ein junges Theaterstück mit pädagogischem Hintergrund also.

Als zentrale Botschaften fasst Zawilla kurz und knapp zusammen: „dass es sich lohnt, sich für eine gute Sache einzusetzen. Kämpfen für das, wofür es sich zu kämpfen lohnt.“ Der Wunsch, die eigenen pubertierenden Kinder mögen ein ähnliches Tagebuch finden, das sie zum Umdenken bewegt, begleitete einige Eltern nach Hause. Am 9. November gibt es noch einmal eine Aufführung in Hessisch Oldendorf.

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