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Exkursionsgruppe erforscht Singvögel in Wülfinghausen

WÜLFINGHAUSEN. 24 Vogelarten in zwei Stunden – die ornithologische Exkursion durch die Gärten des Klosters Wülfinghausen brachte eine reiche akustische Ausbeute für eine kleine Gruppe von Frühaufstehern, die der Einladung des Landesverbandes Niedersachsen des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland gefolgt waren.

Dem geübten Blick von Uwe Röhrs (Dritter von links) entgeht nichts: Ein kleiner Grauschnäpper baut sein Nest im Kreuz über der Tür der alten Wülfinghäuser Friedhofskapelle. Er ist erst vor wenigen Tagen aus Afrika heimgekehrt. Foto: Hempelmann

Autor:

Simone Hempelmann

„Da – der Regenruf des Buchfinks – rüüüdrüüüd!“ Ornithologe Uwe Röhrs spitzt den Zeigefinger und die Ohren und ist in seinem Element. Während die Morgensonne sich um 7 Uhr ihren Weg durch die taubenetzten Blätter in den herrlichen Klostergarten bahnt, stoppt die kleine Exkursionsgruppe immer wieder, um den unterschiedlichsten Vögeln bei ihrem Frühgesang zuzuhören. Besonders aktiv: der Zaunkönig. Mehrere Exemplare haben im Klostergarten und den anliegenden Gehölzen ihr Revier. Der nur neun Gramm schwere Winzling mit eher unscheinbarem bräunlichen Gefieder und possierlich aufgestelltem Schwanz schmettert in einer Lautstärke, dass man nur so staunen kann. Jede Gesangsstrophe dauert etwa fünf Sekunden und besteht aus einer Kaskade hoher Töne und schneller Triller – Uwe Röhrs erkennt die Töne quasi im Schlaf.

„Ich habe mir auf langen Autofahrten immer wieder eine CD mit Vogelstimmen angehört – das trainiert ungemein, und irgendwann hat man es drauf“, berichtet der freiberuflich tätige Vogelkundler von seinen ornithologischen Anfängen. Sabine Washof, die sich beim Landesverband Niedersachsen des BUND um den Streuobstwiesenschutz kümmert, hat die entsprechende Literatur parat und präsentiert ein Bild von jedem Vogel, den die Gruppe akustisch erhaschen kann. Manche Tiere zeigen sich auch: die Kohlmeise hüpft in der knorrigen Eiche von Ast zu Ast, die Heckenbraunelle thront laut zwitschernd hoch oben auf ihrem Lieblingsbaum, und drei kleine Schwanzmeisen-Babys sitzen in der wärmenden Morgensonne auf einem Ast und lassen sich von den Eltern das Frühstück bringen. Röhrs und die Gruppe sind verzaubert von dem niedlichen Anblick, Fotoapparate und Ferngläser werden gezückt, um diesen seltenen Moment auszukosten.

Sabine Washof ist begeistert von dem Klostergarten mit seinen gepflegten Beeten mit Gemüse, unterschiedlichsten Stauden und vor allem dem großen Obstbaumbestand. „Solche wunderbaren Streuobstwiesen sind wirklich selten anzutreffen und sind ein wahres Paradies. Durch die Vielfalt der Pflanzen kann sich hier eine ebensolche Vielfalt an Lebewesen entfalten“, schwärmt sie. 116 Obstbäume beherbergt der alte Klostergarten, der von den Schwestern der Communität und auch von ihren Kursteilnehmern gehegt und gepflegt wird.

Die zweistündige Exkursion vergeht, passend zum Thema, wie im Flug. Kurzweilig reihen Uwe Röhrs und Sabine Washof eine Vielzahl an spannenden und interessanten Informationen rund um die im Klostergarten entdeckten Vögel aneinander. Lebensraum, partnerschaftliche Gewohnheiten und Ernährungsvorlieben, Besonderheiten der Zugvögel und derer, die den Winter in heimischen Gefilden verbringen, werden ebenso diskutiert wie beispielsweise auch das Schlafverhalten der Mauersegler, die ihr Leben permanent fliegend verbringen und nur zum Nisten landen. „Um zu schlafen, lassen sich die Mauersegler durch die Thermik bis in eine Höhe von rund 4000 Metern tragen. Dort nicken sie dann ein und wachen zuweilen 500 km weit entfernt auf, je nach Stärke und Richtung der Luftströmung“, berichtet Röhrs aus seinem reichhaltigen Wissensfundus.

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