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Im Ausschuss fliegen die Fetzen

Erbitterter Streit über Fragebogen zur Gesamtschule

Springe. Der Riss ist tief zwischen Befürwortern und Gegnern einer Gesamtschule in Springe. Wie tief, das wurde gestern Abend im Schulausschuss noch einmal deutlich: Die Diskussion über den Eltern-Fragebogen zur Einrichtung einer IGS entwickelte sich zur knapp zweistündigen Ideologie-Schlacht voller Vorwürfe und Anfeindungen.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Zankapfel Nummer eins: die Formulierung der Frage, mit der bei etwa 1000 Springer Eltern der Wunsch nach der Einrichtung einer IGS ermittelt werden soll. Die CDU um Ratsherr Wilfred Nikolay setzte sich vehement dafür ein, andere Schulformen in die Fragestellung mit aufzunehmen; also die Alternative zu geben: Hauptschule, Realschule, Gymnasium – o d e r Gesamtschule. In einer Abstimmung setzte sich jedoch die Forderung der SPD durch, die Frage mit einem anderen Tenor zu formulieren: Wenn die Stadt eine Gesamtschule einrichten würde, möchten Sie Ihr Kind dort anmelden – ja oder nein?

Nikolay kündigte zunächst an, die rechtliche Gültigkeit der Abstimmung prüfen zu lassen – denn die Tagesordnung habe eine solche Entscheidung formal nicht hergegeben. Dann aber stellte der CDU-Ratsherr selbst einen Antrag. Doch sein Ansinnen, den eigenen Fragewunsch durchzusetzen, scheiterte. Bürgermeister Jörg-Roger Hische hatte zuvor signalisiert, die Verwaltung habe kein Problem mit dem Vorschlag der SPD: „Das ist eventuell sogar die bessere Variante.“

Gestritten wurde aber auch über die Art der Befragung oder den Inhalt des Begleitschreibens – und wieder waren die Fronten so klar wie verhärtet. Jetzt sollen alle Eltern direkt angeschrieben werden; die Rückantworten können sie dann kostenlos an die Stadt zurückschicken. Dieses Prozedere kostet laut Verwaltung zwischen 1200 und 1500 Euro. Die Alternative, den Kindern die Briefe für ihre Eltern direkt mitzugeben, verwarf der Ausschuss mehrheitlich – auch hier unterlag die CDU.

Doch auch vor und nach der Diskussion über die Befragung gab es einigen Zündstoff in der Sitzung. Eine gute halbe Stunde lang ergingen sich Politik und Verwaltung in gegenseitigen Vorwürfen und ideologischen Grundsatzdebatten; warfen sich „dummes Gerede“, künstlich konstruierte Problemstellungen und „alberne“ Pläne vor.

Die SPD erneuerte ihre Forderung nach einer weiteren städtischen Infoveranstaltung zum Thema IGS: „Die erste ist eindeutig in die Hose gegangen“, urteilte Ratsherr Axel Schulte-Czichon – viele Eltern seien verwirrt aus der Veranstaltung gegangen. Bürgermeister Hische wies das Ansinnen zurück: „Eine erneute städtische Veranstaltung wird es erst nach einem vom Land positiv beschiedenen Antrag zur IGS geben.“

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