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Orthopäde Hasso Krauff wandert aus – aus Ärger über das deutsche Gesundheitssystem

Er will mehr als ein paar Minuten pro Patient

Springe (mari). Sie sahen in Deutschland keine Zukunft mehr: 24 Springer haben im vergangenen Jahr der Bundesrepublik den Rücken gekehrt, um im Ausland einen Neuanfang zu wagen. In der Statistik 2011 wird auch sein Name auftauchen: Hasso Krauff, 55 Jahre alt und Orthopäde. Der Arzt geht nach Dänemark, denn er will kein „Gesundheitsverkäufer“ mehr sein, sagt er: „Ein paar Minuten pro Patient – das ist einfach zu wenig.“

Von Springe nach Odense: Hasso Krauff wagt mit 55 Jahren einen Neuanfang am Wirbelsäulenzentrum in Süd-Dänemark: „In Deuts

Eigentlich wollte Krauff in Springe alt werden. Die Deisterstadt war seine Wahlheimat. Der gebürtige Hoffenheimer zog vor elf Jahren her. Wegen der Landschaft, der guten Verkehrsanbindungen, aber auch, weil hier gerade ein kassenärztlicher Sitz frei war.

Die Familie wurde schnell heimisch. Hasso Krauff war Mannschaftsarzt der Handballfreunde und des FC Springe – ehrenamtlich. Auch seine Frau Claudia und die Söhne Moritz (15) und Erik (13) sind in Vereinen aktiv.

Seine Praxis im Sparkassen-Hochhaus wollte Krauff aufwendig modernisieren. Ein Dreivierteljahr plante der passionierte Segler, dann teilte ihm die Sparkasse mit, dass sie allen Mietern kündigen müsse. Krauff war kurz sprachlos, dann erinnerte er sich an bessere Zeiten.

Der Mediziner war Ende der 90er-Jahre zwei Jahre Chirurg an einem Regionskrankenhaus in Norwegen. „Ein Sechser im Lotto“, sagt er rückblickend. Das Gesundheitssystem in den skandinavischen Ländern stehe auf wesentlich gesünderen Füßen.

Jetzt hatte es Krauff ein Modellprojekt mit enger interdisziplinärer Zusammenarbeit am Wirbelsäulenzentrum der Universität Odense in Süd-Dänemark angetan. „Die brauchen genau meine Expertise“, sagt der 55-Jährige. „Ich weiß, dass die dort auch nicht mit goldenen Löffeln essen. Aber die Arbeit wird hochspannend und das Leben drumherum ruhiger.“

Trotz aller Vorfreude: Er werde „die vielen feinen Menschen“ aus Springe vermissen, sagt Krauff. Freunde, Patienten, seine Mitarbeiterinnen. „Auch der ruhige Deister beim Laufen wird mir fehlen.“ In seinem neuen Büro werde er als Erstes die Mannschaftsfotos der Hand- und Fußballer aufhängen – und seine nächsten Wochenendbesuche will er so legen, dass er zu den Heimspielen der Handballer in Springe ist. Für deren Auswärtsspiele im Norden werde er ohnehin „kurz über die Grenze“ fahren.

Sohn Moritz wechselt jetzt direkt auf ein dänisches Internat. Claudia Krauff kommt mit Erik aus schulischen Gründen in einem Jahr nach. Dann wird die Familie noch mal in die Statistik eingehen.

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