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Clemens Groth aktiv im Vorstand historischer Stiftung / Theodor Fontane taucht im Stammbaum auf

Er bewahrt eine 400 Jahre alte Tradition

Völksen. Viele Jahrzehnte ist es her, da bekam der Vater von Clemens Groth während seines Studiums eine kleine Zuwendung. Als alter Mann erzählte er seinem Sohn davon. Der Völksener wunderte sich – und nahm den Faden auf. Heute sitzt der 61-Jährige im Vorstand einer kleinen Stiftung mit 400 Jahre alter Tradition. Aus ihr bekam sein Vater das Geld – und Clemens Groth bewahrt sie heute für die Nachwelt. Und entdeckt dabei eine Menge über sich und seine Vorfahren.

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Autor:

Markus Richter

Groth fuhr an die Elbe, nach Aken in Sachsen-Anhalt. Dort hatte die sogenannte Hortich-Stiftung ihren Anfang genommen, als sich der Prediger Kilian Hortich 1609 mit wohlhabenden Bürgern zusammentat, um Geld zurückzulegen, das den Nachfahren während ihrer Ausbildung zugute kommen sollte. Vier Jahrhunderte später war die Einrichtung beinahe in Vergessenheit geraten. Groth erinnert sich an seine Fahrt nach Aken vor zehn Jahren: „Die Akten lagen in einem Pfarrhaus, es war ruhig geworden um sie.“ Der Ingenieur tat sich mit drei Interessierten zusammen. Sie schafften es, die Stiftung zum 400-jährigen Jubiläum wiederzubeleben. Es gab einen Festakt und fortan wieder Stipendien. Im 17. Jahrhundert hatten die Bürger Land gekauft und verpachtet, durch den Erlös einen Grundstock von heute 10 000 Euro erwirtschaftet. Geld, das seitdem fest angelegt ist. Von den Zinsen bekommen die Nachfahren einen Teil ab, das sind 1500 Euro pro Jahr. Groth stellte fest: „Als wir mehreren Leuten jeweils hundert Euro gaben, hat das kaum jemanden interessiert.“ Also lobten die Stifter einen Wettbewerb für eine größere Summe aus. So profitierte gerade eine Studentin aus Chemnitz, die eine tolle Generationen übergreifende Idee hatte: In einem völlig konservativen Ort sollen sich junge und alte Menschen in einem Internet-Café zusammenfinden, ein Treffpunkt, den es dort bislang nie gab.

Elf Generationen weit in die Vergangenheit

Als Jüngster im Vorstand eignete sich Groth eine mühselige Aufgabe an: Er digitalisiert alte Akten. Bei zehn Regalmetern alter Bände eine schier unendliche Aufgabe. „Von wahrscheinlich 100 000 Seiten habe ich aktuell etwa 1000 auf dem Rechner.“ Und der gebürtige Hannoveraner hat noch mehr zu tun: nämlich die Nachfahren der fünf übrig Gebliebenen aus 25 Stifterfamilien zu suchen. Groth selbst gehört zu einer dieser Familien, hat aber selbst keine Kinder. Noch 300 Leute leben nach seiner Einschätzung, die als Nachfahren in Frage kommen. Sie zu kontaktieren ist ein mühseliges Unterfangen: „Sie sind in alle Welt verstreut, ich weiß von einem in Argentinien und in den USA.“ Die Ahnenforschung, die der Völksener seitdem mit Leidenschaft betreibt, führt ihn immer weiter zurück zu seinen eigenen Wurzeln, zehn, zum Teil elf Generationen weit. Und da macht Groth immer wieder spannende Entdeckungen – etwa, dass einer seiner Vorfahren zusammen mit dem berühmten Schriftsteller Theodor Fontane eine Apothekerlehre gemacht hat.

Immer wieder setzt sich Clemens Groth an den Rechner – wohlwollend unterstützt von seiner Frau Elisabeth. „Ich finde das ganz spannend und interessant“, sagt sie. Vor allem die Kontakte, die sich in aller Welt ergeben. „Vielleicht besuchen wir ja demnächst mal Ernesto in Argentinien…“.

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