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Enno König lädt die Landwirtschaftsministerin zum Essen ein

SPRINGE. Wenn Forstwirt Enno König am Dienstag nach Hannover fährt, sind 20 Wildbratwürste im Gepäck – deutlich mehr wiegt aber das Anliegen, das er auf dem Herzen hat. Sein Wildschweinfleischverkauf ist dramatisch eingebrochen, die Kühlhäuser der gesamten Branche sind berstend voll.

Hat sich vor 17 Jahren am Jagdschloss als Wildhändler selbstständig - und einen Namen - gemacht: Enno König (58). Der Markt mit Wildschwein-Fleisch ist derzeit allerdings zusammengebrochen - aus Angst vor der afrikanischen Schweinepest. FOTO: SCHEFFL
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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Er und seine Berufskollegen seien kurz davor, erlegte Tiere direkt dem Abdecker übergeben zu müssen, ist der Wildhändler vom Jagdschloss bedrückt.

König hofft auf Unterstützung von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Zusammen mit der 53-Jährigen aus Beber möchte er Dienstagmittag medienwirksam eine frisch gebrutzelte Wildschwein-Bratwurst essen und damit auch möglichst viele andere Niedersachsen auf den Geschmack bringen. „Es muss etwas passieren“, sagt König. Wegen der drohenden Schweinepest sollen die Jäger in den nächsten Wochen deutlich mehr Schwarzkittel erlegen – ein niedrigerer Bestand kann helfen, eine Ausbreitung der Krankheit in Deutschland auch weiterhin zu verhindern. Aber wohin am Ende mit dem hochwertigen Fleisch?

„Seit Dezember stehen meine Telefone nicht mehr still“, sagt König. Jäger, Forstämter und Privatförster aus einem Umkreis bis Göttingen und Hannoversch Münden wollen ihr Fleisch loswerden. Aber auch König weiß kaum noch, wohin damit.

Beim Verbraucher ist die Angst vor der afrikanischen Schweinepest so groß, dass der Absatz um mindestens die Hälfte eingebrochen ist. „Einige Supermarktketten haben Wildschwein komplett aus dem Programm genommen“, erzählt König. Selbst mehrere Firmenkantinen, die König direkt beliefert, winkten im Januar ab: Lange im Voraus geplante Menüs mit Wildschwein wurden gestrichen.

König würde gerne mit niedrigeren Preisen gegensteuern – gutes Fleisch wegzuwerfen, ist für ihn auch aus ökologischer Sicht ein Skandal. Allerdings hat die Region erst Mitte Dezember die Gebühren für die Fleischbeschau deutlich erhöht. 11,50 Euro zahlte König bis dahin im Schnitt pro kontrolliertem Tier. Jetzt können es schon mal 50 Euro sein. Auch das möchte der gelernte Koch mit der Ministerin besprechen – vielleicht könne sie ihren Einfluss geltend machen.

Einige andere Landkreise haben die Gebühr mit Blick auf die drohende Schweinepest abgeschafft. Otte-Kinast setzt sich bei dem gemeinsamen Mahl übrigens keiner Gefahr aus: Die Schweinepest, eine Virusinfektion, ist bislang in Deutschland nicht ausgebrochen. Und für den Menschen gilt sie obendrein als ungefährlich.

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