weather-image
Christian Springfeld hatte gestern seinen ersten Arbeitstag als Bürgermeister – ein Besuch

Einschulung ins Rathaus

Springe. Er hat zwar keinen bunten Ranzen auf dem Rücken und auch keine Schultüte im Arm, aber dennoch fühlt sich dieser Freitagmorgen für Christian Springfeld so an, als wäre es sein erster Schultag.


Springe. Er hat zwar keinen bunten Ranzen auf dem Rücken und auch keine Schultüte im Arm, aber dennoch fühlt sich dieser Freitagmorgen für Christian Springfeld so an, als wäre es sein erster Schultag. „So habe ich das meinen Kindern heute Morgen erklärt, als ich mich auf den Weg zur Arbeit gemacht habe“, sagt Springes neuer Bürgermeister und grinst. „Sie wollen mir eine ’Rathaustüte‘ basteln.“ Ein neuer Lebensabschnitt mit vielen neuen Aufgaben wartet auf den Bennigser. Wie bei der Einschulung, nur eben im Springer Rathaus. Die NDZ hat Springfeld an seinem ersten Tag im Rathaus begleitet.

So richtig fassen, dass er ab sofort auf dem Burghof sein Büro haben wird, kann es Springfeld noch immer nicht, das spürt man deutlich. „Irgendwie ist das alles wie im Märchen für mich“, gesteht er. Und tatsächlich hat seine Geschichte vom Einzug ins Springer Rathaus ein wenig etwas vom Tellerwäscher zum Millionär. Schließlich sagt Springfeld selbst, dass er bis er kandidierte „recht unbekannt“ war.

Um 8.30 Uhr hat sein Arbeitstag als Bürgermeister begonnen. Auf dem Terminplan steht dann als erstes ein Treffen mit seinem Stellvertreter Gerd-Dieter Walter sowie Clemens Gebauer vom Fachbereich Bildung und Bauamtsleiter Reinhard Schade an. Und bei diesem Antrittsgespräch bekommt Springfeld zur Begrüßung nicht nur einen Strauß Blumen in die Hand gedrückt, sondern auch den Schlüssel zum Rathaus – denn den wird er in den kommenden fünf Jahren schließlich beinahe täglich brauchen.

Bei Kaffee und Keksen sprechen die vier Männer über einige der großen Themen, die die Deisterstadt derzeit bewegen – die Flüchtlingssituation und wie es in Sachen IGS weitergehen soll.

„Wir haben jetzt beschlossen, noch einmal einen Gesprächsabend mit den Elternvertretern der IGS zu veranstalten, um über die verschiedenen Möglichkeiten und die damit verbundenen Kosten zu informieren“, sagt Springfeld. Diese Angelegenheit sei die erste Sache, um die er sich richtig kümmern wolle, macht er klar. In der kommenden Woche wird er deshalb die IGS sowie die Türme, in denen eventuell ein Teil von ihr untergebracht werden könnte, besuchen. Dieses Thema habe er sich ganz bewusst herausgepickt, um direkt anzupacken, sagt der Bürgermeister. Denn bei einigen anderen Prozessen und Abläufen benötige er mehr Zeit, um sich einzuarbeiten. „So eine Verwaltung ist im Grunde, wie ein fein-getunter Motor, da werde ich jetzt nicht kommen und alles auseinanderreißen“, sagt Springfeld. Vielmehr wolle er sich erst einmal mit allem vertraut machen und dann gegebenenfalls Änderungsvorschläge einbringen.

Im Anschluss ans Gespräch geht es auf Erkundungstour durch den Verwaltungsdschungel; soll heißen: das Rathaus. Walter macht mit Springfeld die große Runde, zeigt Besprechungsräume, Kaffeeküchen und die Büros der Mitarbeiter. „So viele Namen“, sagt Springfeld. Es werde wohl eine Weile dauern, bis er sich alle eingeprägt hat. „Das erwartet aber auch niemand“, sagt Walter und lacht: „Das wäre ja schon beinahe übermenschlich, wenn Sie das könnten.“

Zurück in seinem Büro angekommen, lässt sich Springfeld erstmal auf seinen Schreibtischstuhl fallen, atmet einmal tief durch und schenkt sich ein Glas Wasser ein, wirft einen Blick auf den Terminkalender. Im Februar ist er schon ziemlich ausgebucht. „Eigentlich wollte ich ja auch bei Völksen Eiskalt vorbeischauen“, sagt der Bennigser. Aber er musste absagen. „Ich helfe meiner Schwester beim Umzug. Das hatte ich versprochen“, sagt er. Und seine Versprechen, die halte er. Seine Familie ist ihm wichtig und er möchte nicht, dass sie denken, dass er nun „wer Besseres“ sei.

Seine Familie ist es auch, die ihn nachmittags, zum Feierabend, aus dem Büro abholt. Ohne die versprochene ’Rathaustüte‘, dafür aber mit umso mehr Appetit auf eine Pizza.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare