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Eine Stadt rüstet auf

Springe. Viele Springer fühlen sich nicht mehr sicher: Diesen Schluss zieht zumindest Udo Helms von der Stadtverwaltung. Er ist für die Ausstellung des kleinen Waffenscheins für  zuständig. Die Zahl der Ausstellungen hat im Vergleich zum Vorjahr um bis 15 Prozent zugenommen.

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Springe. Viele Springer fühlen sich nicht mehr sicher: Diesen Schluss zieht zumindest Udo Helms von der Stadtverwaltung. Er ist für die Ausstellung des kleinen Waffenscheins für Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen zuständig. Und die Zahl der Ausstellungen hat im Vergleich zum Vorjahr um 10 bis 15 Prozent zugenommen.

„Normalerweise stelle ich pro Monat zwei kleine Waffenscheine aus – allein im Januar waren es bisher aber bereits sieben“, sagt Helms. Und die Zahl derer, die sich nach dem Schein erkundigen, sei noch höher: „Ich bekomme täglich drei bis fünf Anfragen per Telefon.“

Der Anstieg beschränkt sich nicht auf Springe allein. Deutschlandweit ist die Zahl der Anträge auf den kleinen Waffenschein gestiegen. Nach Einzelbeobachtungen in verschiedenen Städten ist der Umsatz nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht sprunghaft angestiegen.

Den Eindruck bestätigt auch Helms: „Die Anrufer fühlen sich nicht mehr sicher“, sagt er. Im Gespräch macht er den Bürgern deutlich, dass auch eine Schreckschusswaffe Gefahren birgt – und nicht unter allen Bedingungen genutzt werden kann. Ausstellen muss er die kleinen Waffenscheine trotzdem, wenn die Antragsteller alle Voraussetzungen erfüllen.

Hoch hat der Gesetzgeber die Hürden dafür nicht gelegt: Der Besitzer muss 18 Jahre alt sein, darf keine Vorstrafen haben und darf weder alkohol- noch drogenabhängig, sondern gesund sein. Wenn er dann noch nachweisen kann, dass die Waffe fachgerecht aufbewahrt wird, steht einer Ausstellung des Scheins nichts mehr im Weg. Ein Sachkundenachweis ist laut gültiger Gesetzeslage nicht erforderlich. Helms: „Ich weise die Nutzer im Gespräch vorab auf alle Gefahren hin.“

Unter anderem macht er ihnen auch klar, dass eine Schreckschusswaffe nicht auf öffentliche Versammlungen mitgenommen werden darf – und während einer gefährlichen Situation zu einer weiteren Eskalation beitragen kann. Zudem rechnet er damit, dass Schreckschusswaffen künftig zu Polizeieinsätzen führen könne. Immerhin sehen einige Modelle scharfen Waffen zum Verwechseln ähnlich. In vielen Fällen empfiehlt er den Antragstellern deshalb ein Abwehrspray – statt einer Schreckschusswaffe.

Abwehrspray ist im Hagebaumarkt bereits vergriffen, wie Verkaufsberater Mehmet Adali einräumt. Die Nachfrage sei sehr groß gewesen, „viele Leute haben Angst, das Spray gibt ihnen ein Gefühl von persönlicher Sicherheit zurück“. Der Hagebaumarkt sei bemüht, so rasch wie möglich für Nachschub zu sorgen – in dem Zusammenhang würden gerade Verhandlungen mit Herstellern geführt.

Wenn es die kleinen Sprühfläschchen wieder gibt, werden sie laut Abali nur nach vorheriger Erklärung der Funktionsweise an die Kunden abgegeben.

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