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BZE-Chef Klaus Treichel sieht kaum Chancen, die Innenstadt neu zu beleben / Öffnung für Verkehr

„Ein paar Luftballonaktionen bringen da nichts“

Springe (mf). Der Kaufkraftabfluss von der Innenstadt zur Osttangente mit den daraus resultierenden Problemen für die Geschäftsinhaber (NDZ berichtete) war vorhersehbar. Das sagt Klaus Treichel, Chef des Bildungszentrums für den Einzelhandel (BZE) und langjähriger Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Einzelhandel Niedersachsen. Er meint: Um zu retten, was zu retten ist, „sollte ergebnisoffen über eine stärkere Öffnung der Altstadt für den Autoverkehr nachgedacht werden“.


Wenn die Geschäfte im Bereich von Obern- und Niederntor sowie Marktplatz besser mit dem Auto erreichbar wären, könne ihnen dies möglicherweise wieder mehr Kunden bescheren. „Dann sind die Läden nicht allein darauf angewiesen, dass sie jemand beim Spazierengehen entdeckt.“ Treichel schlägt überdies eine Verbesserung der in seinen Augen unzureichenden Parkplatzsituation vor.

Für noch ausbaufähig hält der Fachmann das Angebot an „pfiffigen Dienstleistungen“ in der Innenstadt. Auch halte er kleinere gastronomische Angebote oder Waren des täglichen Bedarfs für erfolgsversprechend.

Wenig Chancen gibt er dagegen dem Versuch, neue Einzelhandelsgeschäfte mit einem „Wald- und Wiesen-Sortiment“ anzusiedeln. Die vorhandene Immobilienstruktur mit Verkaufsflächen von oftmals nur 80 Quadratmetern sei nicht mehr zeitgemäß. „Damit kann man heute nicht mehr viel anfangen.“

Treichel räumt dennoch offen ein, dass auch er kein Patentrezept zur Belebung der Kernstadt weiß. Die Entwicklung in Springe sei mit der Fertigstellung des Fachmarktzentrums an der Osttangente zu weit fortgeschritten. „Im Prinzip ist der Zug abgefahren. Da kann sich die Stadtmanagerin noch so sehr bemühen und irgendwelche wohlgemeinten Luftballonaktionen starten. Das hilft den Einzelhändlern auch nicht mehr wesentlich.“

Der BZE-Chef macht keinen Hehl daraus, dass er die Ansiedlung an der Osttangente rückblickend für falsch hält. Zumindest in ihrem jetzigen Ausmaß. „Es hätte bei einem Lebensmittelmarkt bleiben müssen. Nach der ersten Ausbaustufe ist das Vorhaben ausgeufert.“ Nun werde es die Innenstadt schwer haben zu überleben.

Als in den 1990er-Jahren die Grundsatzentscheidung für das Einkaufszentrum gefallen sei, habe er – damals noch in seiner Funktion als CDU-Stadtverbandsvorsitzender – vergeblich vor einem solchen Schritt gewarnt.

Ein Fehler sei die Osttangentenplanung freilich nur, wenn man dem Erhalt einer lebendigen Innenstadt Vorrang geben wollte. Allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, etwa mit Blick auf die Gewerbesteuereinnahmen, stehe die Stadt nun womöglich sogar besser da. Unstreitig sei, dass Springe jetzt mehr Kunden aus dem Umland anziehe als früher. Insbesondere das große E-Center habe Magnetwirkung – beispielsweise auf Bad Münder. Treichel: „Man muss eben wissen, was einem wichtiger ist.“

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