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Ehrensache: Wir begleiten angehende Feuerwehrleute

Nachts raus, zum Unfall, zum Feuer, die Konfrontation mit Leid, mit Gefahr, der Stress: Die Feuerwehr ist kein Ehrenamt für jeden. Und doch gibt es sie, die Menschen, die all das schätzen. Die NDZ begleitet zwei angehende Feuerwehrleute: Was motiviert sie, was treibt sie an?

Der Quereinsteiger: Alexander Solle aus Eldagsen ließ sich von einer Werbekampagne der Feuerwehr überzeugen. FOTOS: SZABO

Autor:

PATRICIA SZABO

Alexander Solle ist ein blutiger Anfänger. Für ihn ist der Trupmann-Grundlehrgang der erste Kontakt mit der Feuerwehr. Der 34-Jährige kommt aus Eldagsen, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Der studierte Physiker arbeitet als technischer Leiter in einem Krankenhaus.

„Feuerwehrdienst ist Ehrensache“, sagt Solle, dem soziales Engagement und Dienste zugunsten der Gesellschaft stets wichtig waren und der bereits als Sportschütze aktiv ist und der sich zudem in der Kommunalpolitik engagiert: „Man tut einfach was Gutes“, sagt er.

Hat er als engagierter dreifacher Vater keine Bedenken um die eigene Sicherheit bei Feuerwehreinsätzen? Solle schüttelt den Kopf: „Ich vertraue hier auf etablierte Prozesse und Sicherheit. Das oberste Gebot ist, auf den Einsatzleiter zu hören.“

Training auf dem Hof Stöver in Bennigsen: Wie verhält man sich an einem Unfallauto?
  • Training auf dem Hof Stöver in Bennigsen: Wie verhält man sich an einem Unfallauto?
Der Nachwuchs-Kamerad: Leo Härtel (rechts) aus Völksen während der Ausbildung.
  • Der Nachwuchs-Kamerad: Leo Härtel (rechts) aus Völksen während der Ausbildung.

Solle und die anderen Anwärter trainieren auf dem Gelände der Firma Stöver in Bennigsen. Wo sonst Kartoffeln gelagert und verarbeitet werden, steht jetzt Ausbildungschef Michael Weber – und erzählt, welche Inhalte den Anwärtern im praktischen Teil vermittelt werden: „Besonders in stressigen Situationen müssen die Feuerwehrmänner- und Frauen die Handgriffe blind beherrschen. Jeder muss seine Rolle in der Gruppe kennen.“

In der Grundausbildung lernen die Teilnehmer die Grundtätigkeiten der Feuerwehr, die sie im Normalfall bei den Einsätzen benötigen. Dazu gehören die Position beim Löschangriff oder das Aufstellen einer vierteiligen Leiter „Das ist die Höhe, die man bei der Rettung aus einem zweigeschossigen Gebäude benötigt“, sagt Weber. Außerdem lernen die Anwärter, feuerwehrtechnische Knoten zu binden und die fachgerechte Wasserentnahme aus Hydranten und Gewässern.

Auch Leo Härtel packt mit an. Der Völksener geht in die zehnte Klasse und ist seit seinem zehnten Lebensjahr in der Feuerwehr aktiv. Angefangen hat der heute 16-Jährige bei der Jugendabteilung. Von Kindesbeinen an spielte die Feuerwehr im Leben des Teenagers eine wichtige Rolle: „Schon als kleiner Junge bin ich zu Fasching als Feuerwehrmann gegangen. Als ich älter wurde, hat mich ein Freund eingeladen, mal bei der Jugendfeuerwehr vorbei zuschauen. Ich war so begeistert, dass ich seitdem regelmäßig zu den Gruppenstunden gehe“, sagt er.

Um ihn herum läuft die Ausbildung weiter. Welche Handgriffe braucht man, um Verletzte aus einem Unfallauto zu retten? Für die Prüfung am kommenden Wochenende ist das zwar nicht relevant, sagt Vize-Stadtbrandmeister Stefan Quentin: „Diese praktische Erfahrung ist trotzdem notwendig, um zu verstehen, welche Kräfte wirken und wie viel Kraft man für eine Türöffnung aufwenden muss.“

Er betont nicht nur die Lösch- und Rettungseinsätze der Feuerwehr, sondern auch den besonderen Stellenwert für das soziale Leben auf dem Land. Und er erläutert, dass die Kameraden Kenntnisse erlernen, die auch im Berufsleben zutage kommen. Solle schnauft durch, die Übungen sind anstrengend. Anders als Härtel ist er nicht in der Feuerwehr groß geworden. Sondern durch Werbung angelockt worden. „Stell dir vor, es brennt und keiner löscht“, zitiert er den Leitsatz der Medienkampagne, die 2014 auf die Nachwuchsprobleme in der Freiwilligen Feuerwehren aufmerksam machte.

Solle befürchtete anfangs, zu alt für den Lehrgang zu sein – aber Freunde und Bekannte aus der Feuerwehr bestärkten ihn in seiner Entscheidung. „Das Personal wird dünner und es ist einfach eine Ehrensache, dass man sich im ländlichen Bereich engagiert“, sagt Solle.

Leo Härtel sieht das ähnlich: „Natürlich ist die Feuerwehr cool und wichtig. Die Feuerwehren sind aber auch für kleinere Orte von großer Bedeutung. Es geht nicht nur um Einsätze. Sondern auch ums Dorfleben.“

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