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Trotz laufender Bewährungsstrafen: 29-jährige Mutter klaut, um sich Stoff kaufen zu können

Drogensucht bringt sie wieder ins Gefängnis

Bennigsen (ric). Das Leben hat es bislang nicht sonderlich gut mit ihr gemeint: die Drogen, die Entziehung der Kinder, falsche Freunde – und immer wieder einschlägige Straftaten. Gestern wurde am Amtsgericht eine Frau verurteilt, die mit ihren 29 Jahren bereits zahlreiche Tiefen durchgemacht hat.

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Richterin Pamela Ziehn sah die Angeklagte zuletzt in einer Verhandlung im Juni. Davor war die in Bennigsen wohnende Frau durch die Straßen gezogen und hatte gestohlene aha-Müllsäcke weiterverkauft.

Und während sie im Juni zum wiederholten Mal mit einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe davonkam, muss sie nun wieder ins Gefängnis: Achtmal war sie zwischen Völksen und Hameln schwarzgefahren, weil ihr einmonatiger Sohn einen Methadonentzug brauchte, einmal stahl sie in einem Supermarkt sechs Flaschen teuren Schnaps. „Die wollte ich verkaufen, um mir Stoff zu holen“, gestand sie. Ein Kaufhausdetektiv hatte das Vorhaben allerdings vereitelt und die Diebin auf frischer Tat ertappt.

Das in sie gesetzte Vertrauen missbrauchte die 29-Jährige allerdings umgehend: Alle Taten geschahen nur wenige Tage nach der Verurteilung, während im Bauch das zweite Baby heranwuchs. „Damals waren Sie auf einem guten Weg – das hat sich leider nicht bewahrheitet“, bedauerte die Richterin die Entwicklung. Dramatisch ist vor allem das Vorstrafenregister der Angeklagten: Inzwischen stand sie bei 15 Verfahren vor Gericht, zum Teil ist sie einschlägig vorbestraft: wegen Körperverletzung, Hehlerei, schweren Raubes, Beihilfe zum Heroin-Handel, Hehlerei, gewerbsmäßigen Betrugs und Diebstahl im besonders schweren Fall – oft waren es sogenannte Beschaffungsdiebstähle, um die Sucht bezahlen zu können. Drei Bewährungsstrafen wurden im Anschluss nicht-öffentlich verhandelt. Zuschauer mussten den Saal zwischenzeitlich verlassen, während ein Beamter des hiesigen Polizeikommissariats aussagte: Mit ihm hatte die Bennigserin am Vortag ausführlich gesprochen – offenbar kooperierte sie gut. Ihre Aussagen sollen weitere Verbrechen aufklären, die in ihrem Umfeld passierten.

Honoriert wurde ihr Entgegenkommen insofern, als dass sechs Anklagevorwürfe eingestellt wurden. In diesen Fällen ging es um das Bahnfahren ohne Ticket. Dennoch musste die Frau im Anschluss wieder in die Justizvollzugsanstalt: Das Landgericht Hannover hatte eine Bewährung widerrufen. Und zu diesen 403 Tagen kommen nun drei weitere Monate hinter Gittern hinzu – für die Angeklagte vielleicht die Chance auf eine Therapie.

Die Frau hat laut ihrem Bewährungshelfer einen „eisernen Willen“. Leider sei sie damals an einen falschen Mann geraten. Ihr erstes Kind gab sie freiwillig ans Jugendamt, für das zweite wurde ihr das Sorgerecht entzogen.

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