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51-Jähriger wird wegen räuberischer Erpressung zu einem Jahr Haft verurteilt

Drang nach Bier bringt Mann ins Gefängnis

Gestorf (col). „Bitte seien Sie bei ihren Aussagen genau, es geht hier für den Angeklagten um einiges“, mahnte Richterin Pamela Ziehn bei ihrer Belehrung die Zeugen. Die Anklage wog denn auch schwer: Der 51-Jährige soll eine räuberische Erpressung begangen haben. „Gib mir Geld, sonst schlage ich deine Kinder tot“, soll er einer Frau gedroht haben. Das Gericht sah den Tatvorwurf als erwiesen an und verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung.

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Es war schwierig, der Aussage des Angeklagten zu folgen. Seine Schilderungen – oft zusammenhanglos, nach Worten suchend. Nach und nach erfuhren die Zuhörer, dass er von November bis Mai in Schloss Gestorf – einer Einrichtung für Abhängige – gelebt hat. Er wurde rückfällig und musste das Haus verlassen. Wütend auf die Einrichtung und die Mitarbeiter, kehrte er am 21. September zurück. Wie viel er an diesem Tag getrunken hatte, das wisse er nicht mehr. Es müsse aber wohl „Einiges“ gewesen sein, sagt er. Die Blutprobe ergab später einen Promillewert von 2,36.

Der stellvertretende Leiter der Einrichtung und ein Kollege wiesen den stark Alkoholisierten daher auf ein bestehendes Hausverbot hin und baten ihn vom Gelände. Nach einem Wortwechsel entfernte er sich auch und stieß einige Meter weiter auf eine 30-jährige Frau, die mit ihren drei Kindern die Straße entlangging. Laut schreiend sei er auf sie zugekommen und habe sie und ihren Nachwuchs im Alter zwischen zwei und sechs Jahren mehrfach bedroht. Daraufhin habe sie ihm ihr weniges Bargeld – 3,16 Euro – gegeben, wovon er sich habe Bier kaufen wollen.

Im Gerichtssaal entschuldigte sich der Angeklagte bei der Zeugin und beteuerte: „Es tut mir leid, ich hätte den Kindern nichts getan.“

Ein Bekannter der Frau, der zufällig vorbeikam, verscheuchte den 51-Jährigen damals. Die beiden Mitarbeiter der Therapieeinrichtung riefen schließlich die Polizei.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen räuberischer Erpressung in einem minderschweren Fall. Zu seinen Gunsten wurde berücksichtigt, dass er sich sofort mit der geringen Beute zufrieden gegeben habe. Außerdem sei er aufgrund des erheblichen Alkoholkonsums vermindert schuldfähig gewesen, und die Attacke habe keine psychischen Schäden bei den Betroffenen hinterlassen.

Die einjährige Strafe wurde nicht, wie von seiner Verteidigerin gefordert, zur Bewährung ausgesetzt, weil das Schöffengericht dem Angeklagten keine günstige Sozialprognose ausstellen mochte. Der Entzug sei schließlich auch gescheitert. Zudem ist der Angeklagte einschlägig vorbestraft. Bisher wurden die Urteile jedoch immer zur Bewährung ausgesetzt. Diesmal entschied die Richterin anders: „Er braucht den Vollzug, um seine innere Einstellung zu ändern.“

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