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Echter Saurierabdruck taucht im Museum auf / Gesteinsplatte ist 145 Millionen Jahre alt

Dinos Riesentapser sorgt für Begeisterung

Springe (ric). Begeisterungsfähig ist sie eigentlich immer, die Museumschefin. Doch nur selten haut es Angelika Schwager so richtig um, wie gerade – als ihr ein zig Millionen Jahre alter Dinosaurier auf den Fuß getreten hat.

Paläontologin Angelika Schwager zeigt den Abdruck, den ein Dinos

Dass im Archiv das ein oder andere Schätzchen lagert, war den Mitarbeitern im Museum eigentlich schon immer klar. Jetzt stießen sie beim Durchforsten des Dachgeschosses auf eine Tonplatte. Schwager kippte da ein wahrlich bedeutsames Stück Zeitgeschichte auf die Schuhe: der Original-Abdruck eines Dinosaurierfußes. Was ein Kollege zunächst für einen eher langweiligen Stein hielt, offenbart bei genauerer Betrachtung den Fuß eines Urzeit-Raubtieres. 30 Zentimeter lang ist der Abdruck, er zeigt Krallen, Spuren, Vertiefungen. „Die Platte ist extrem tonhaltig, auf der Rückseite finden sich Pflanzenreste“, erklärt die Expertin, die sich sofort mit Werkzeug daran gemacht hat, den Fund aufzubereiten. Und Schwager ist sich „zu 90 Prozent“ sicher, dass es das Gegenstück einer im Museum befindlichen Abdruck-Kopie ist, zeigt es doch gleiche Strukturmerkmale auf. Das bedeutet: Dieser Dinosaurier tapste durch heimische Wälder. Und er könnte bis zu 30 Millionen Jahre früher gelebt haben als die bekannten Dinosaurier aus den bedeutsamen Grabungen in Obernkirchen.

Das Abgussgegenstück haben die Springer Historiker 1982 mit Unterstützung der Klosterkammer erworben, der Fund des Originals im Osterwald dürfte zwei Jahre davor gelegen haben. Vielleicht ist der jetzt aufgetauchte Teil als Beigabe dazu gekommen. „Wir haben es definitiv mit einem Raubsaurier zu tun, einem jagenden Fleischfresser“, erklärt Schwager. Zu sehen sind nämlich weniger die Hacke und mehr die Zehen – Pflanzenfresser sind eher mit dem ganzen Fuß aufgetreten. „Der Räuber war definitiv größer als ein Raptor, eher die Kategorie Tyrannosaurus Rex.“ Genau genommen ist der Fund das Gegenstück eines Abdrucks, also die Form des Fußes als solches. „Man muss sich das so vorstellen, dass dieser Saurier in sehr feuchter, schlammiger Erde gegangen sein muss.“ Darauf würden wellenförmige Strukturen am Rande hinweisen. Der Abdruck muss durch Wind schnell mit anderen Schichten bedeckt worden sein. Im Laufe der Zeit versteinert er. Und alt ist er in jedem Fall: geschätzt 145 Millionen Jahre.

Jetzt ist dem Team um Schwager klar: Nicht die Kopie wie anfangs geplant, sondern die echte Platte soll im Foyer auf dem Burghof in den Boden einlassen werden. Fehlt nur noch ein Sponsor für die stabile Glasplatte und die Beleuchtung. Solange erfreut sich die Paläontologin weiter an ihrem Dino-Schatz. Und der eigene Fuß tut längst nicht mehr weh. „Ich bin total begeistert, was wir hier haben.“

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