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Die Stadt ist Mitglied in 43 Gruppen und Organisationen – und zahlt dafür 197 000 Euro Beiträge pro Jahr

Die Vereinsmeier aus dem Rathaus

Springe. Die „Vereinigung der Schiedspersonen im Bezirk Hannover-Bückeburg im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen“ hat nicht nur einen langen Namen. Sie freut sich auch über 200 Euro aus Springe – alle 12 Monate. So hoch ist der Mitgliedsbeitrag, den die Stadt jedes Jahr an die Vereinigung überweist. Eher einer der kleineren Posten auf einer 43 Vereine umfassenden Liste. Ihnen allen gehört die Verwaltung an. Und überweist dafür etwa 197 000 Euro.

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VON CHRISTIAN ZETT

Passt das dazu, dass die Stadt gerade erst ein neues Millionen-Minus verkünden musste? Ein genauer Blick zeigt: Der Großteil der rund 197 000 Euro im Jahr, betont der kommissarische Rathauschef Gerd-Dieter Walter, seien Pflichtausgaben. Soll heißen: Die Stadt kann sich gar nicht aussuchen, ob sie in diesen Vereinen Mitglied ist. Sie muss dabei sein. Und zahlen.

Das trifft etwa auf die sogenannten Wasserverbände zu: An sie überwies die Stadt zuletzt rund 100 000 Euro im Jahr, damit sich dort Fachleute um die Pflege der heimischen Flüsse und Bäche kümmern.

Laut Walter ebenfalls eine Pflichtaufgabe: die Mitgliedschaft im Niedersächsischen Studieninstitut, die die Stadt 15 400 Euro im Jahr kostet. In der Einrichtung werden die Auszubildenden und Mitarbeiter geschult und weitergebildet. Laut Satzung könnte die Stadt zwar austreten – hätte dann aber auch „keinen Anspruch auf das Vermögen und die Benutzung der Einrichtungen des Vereins“.

Auch in den Realverbänden der einzelnen Ortsteile, die sich um viele Wege und Flächen kümmern, ist die Stadt Pflichtmitglied. Je nach Größe von Fläche und Verband werden verschieden hohe Jahres-Umlagen fällig: von 1215 Euro in Boitzum bis 12 800 Euro in der Kernstadt. Unter dem Strich werden allein für die Realverbände Zuschüsse und Beiträge in Höhe von rund 58 000 Euro fällig.

Größter Posten bei den freiwilligen Beiträgen: die Mitgliedschaft im Niedersächsischen Städtetag. Dabei handelt es sich um eine Art Spitzenverband der Kommunen, der Lobbyarbeit gegenüber Landtag und Landesregierung macht. Kosten: immerhin 12 800 Euro im Jahr.

Den zweithöchsten Betrag konnte sich die Stadt in diesem Jahr sparen: Nach der Auflösung des Vereins „Tourismus Region Hannover“ und der Übertragung von Aufgaben auf die Hannover Marketing und Tourismus GmbH blieben 2600 Euro im Stadtsäckel.

Fällig wurde dagegen erneut der Jahresbeitrag für den Museumsverein: 1600 Euro überweist die Verwaltung vom Rathaus auf das Nachbargebäude auf dem Burghof. Den Verein, der das Museum betreibt, unterstützt sie aber auch anderweitig: nämlich durch die Bereitstellung der Räume.

Der Rest sind kleine Summen: 1333 Euro für den Kreisfeuerwehrverband, 800 Euro für den Arbeitskreis Deister oder 325 Euro für die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing. 24 Euro bekommt der Förderverein Kunst und Kultur, der den Oberntor-Brunnen finanziert hat. „Dort ist Stadtmanagerin Anike Molgedey vertreten. Sie bekommt den Beitrag erstattet, weil es im Sinne der Stadt ist, dort dabei zu sein“, erklärt Walter.

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