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Obwohl das Krankenhaus lange geschlossen ist, sind die letzten Mitarbeiter erst gestern umgezogen

Die Unbeugsamen

Springe. Alle dachten, das ganze Krankenhaus sei schon nach Gehrden gezogen. Falsch gedacht: eine von unbeugsamen Physiotherapeuten geleitete konzerneigene Praxis tat noch bis gestern in Springe ihren Dienst. Heute nehmen die fünf Mitarbeiter ihre Arbeit in Gehrden auf. Ein Abschiedsbesuch.

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Die ambulante Physiotherapie war zwar in den Keller-Räumen des Krankenhauses untergebracht, agierte sei dem Jahr 2003 aber als eigenständige Praxis im Verbund der Kliniken Region Hannover.

„Ich war von Anfang an hier“, sagt Kerstin Eickmeyer. Sie leitet die Praxis als leitende Physiotherapeutin – jetzt in Gehrden. Und räumt ein, dass sie das alte Krankenhaus „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ verlässt.

Begonnen hatte sie 1986, damals war die Praxis noch eine Institutsambulanz. „Da gab es auch noch nicht so viele Physiotherapiepraxen wie heute“, weiß Eickmeyer – doch auch in diesen Tagen habe sich die Praxis nicht über zu wenig Patienten beklagen können. „Viele sind auch regelmäßig ganz bewusst zu uns gekommen“, sagt die Leiterin. Sie hofft, dass diese Menschen jetzt das Angebot im Gehrdener Krankenhaus nutzen: Bis auf einen wechseln alle Mitarbeiter dorthin.

Einen regen Austausch zwischen Gehrden und Springe gab es ohnehin schon: Eickmeyer leitete beide Praxen. Und wenn ein Springer Kollege erkrankt war, halfen Gehrdener Mitarbeiter am Deister aus – oder umgekehrt. Behandelt wurden Patienten in Springe noch bis zum letzten Tag, parallel packten die Mitarbeiter Kartons und Kisten ein. „Für uns alle ist das hier natürlich sehr emotional, auch einige Patienten hatten schon Tränen in den Augen“, sagt die Leiterin. Der Rückzug aus Springe sei eine Entscheidung der Leitung gewesen – und die wolle sie weder bewerten noch kommentieren. Im Verlauf des Gesprächs betont sie aber immer wieder, dass die Praxis am Standort Springe „viele Patienten gehabt“ habe – auch Gewinn sei für den Konzern nicht zu wenig gemacht worden. Für viele Patienten sei der „zeitlich großzügige Umgang“ während der Behandlungen ein Grund gewesen, in die Praxis zu kommen. Jetzt hofft das Team, dass die Patienten den Weg nach Gehrden nicht scheuen – und der Praxis und den Mitarbeitern die Treue halten.

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