weather-image
12°
6000 Kunden seit Gründung vor einem halben Jahr / Rechtsstreit mit Eon Avacon um 10 Millionen Euro

Die Stadtwerke stehen mächtig unter Strom

Springe (mf). Ein halbes Jahr nach Gründung der Stadtwerke Springe fällt die Bilanz der Verantwortlichen überwiegend positiv aus. Mit bisher 6000 Kunden habe man die selbst gesetzten Ziele weit übertroffen, machten Geschäftsführer Helmut Rohmann und Bürgermeister Jörg-Roger Hische deutlich. Aber es gibt nicht nur Grund zur Freude: Vor Gericht streiten die Stadtwerke mit dem ehemaligen Stromlieferanten Eon Avacon um zehn Millionen Euro.

270_008_4093489_IMG_0006.jpg

Hintergrund sind unterschiedliche Bewertungen des Stromnetzes, das die Stadtwerke von Avacon zurückkaufen wollen. Während der Sarstedter Regionalableger des Energieriesen Eon von gut 16 Millionen Euro ausgeht, wollen die Stadtwerke nach Worten Rohmanns „höchstens sechs Millionen Euro zahlen“. Der Wert sei durch die Marktentwicklung stark gesunken, so der Geschäftsführer. Ein Gutachten hatte das Anlagevermögen im vergangenen Jahr auf etwa 12 Millionen Euro taxiert.

Nach Worten von Rohmann ist Eon Avacon inzwischen ohnehin nicht mehr zum Verkauf des Netzes bereit, das seit Jahresbeginn faktisch im Besitz der Stadtwerke ist. Die Stadtwerke zahlten derzeit eine Pacht, deren Höhe man aber einseitig gemindert habe, so der Geschäftsführer vor Journalisten. Nun müsse das Landgericht Hannover darüber entscheiden, ob und zu welchen Konditionen Eon das Netz herausrücken muss. Dabei sieht er Springe in einer Art Vorreiterrolle: Die vier marktbeherrschenden Unternehmen würden nämlich regelmäßig Kommunen, die sich von ihnen lösen wollten, Steine in den Weg legen und dabei auch vor Horrorszenarien nicht zurückschrecken.

Seit ihrer Gründung haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben 2500 Gas- und 3500 Stromkunden gewonnen, was Marktanteilen von 47 beziehungsweise 22 Prozent entspreche. Im Gasbereich werde das Unternehmen vermutlich in der zweiten Jahreshälfte offiziell Grundversorger in Springe.

„Wir sind damit viel weiter als wir zu hoffen gewagt hatten“, sagte Bürgermeistrer Hische. Für die Kunden habe sich der Wechsel in jedem Fall gelohnt, betonen er und Rohmann – „allein jene 3500, die bis Ende 2008 zu uns gekommen sind, sparen in diesem Jahr zusammengerechnet eine Million Euro“.

Rohmann und Hische räumen aber auch ein, dass es in der Startphase zu Pannen gekommen sei. Eine nicht richtig funktionierende Telefonanlage und personelle Engpässe hätten die Geduld der Kunden mitunter auf eine harte Probe gestellt.

Mit Blick auf die Zukunft kündigte Rohmann eine Ausweitung der Geschäftsfelder aus. Bei Auslaufen der Gas- und Wasserkonzessionsverträge in den Jahren 2014 und 2019 wollten sich die Stadtwerke auch hier um den Zuschlag bewerben.

„Unsere ersten 3500 Kunden sparen dieses Jahr eine Million Euro“: Bürgermeister Jörg-Roger Hische und Stadtwerke-Geschäftsführer Helmut Rohmann.

Foto: ans

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare