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Mit dem Landesvater on Tour: Leserin Carmela Göpel aus Bennigsen gewinnt NDZ-Sommerabenteuer

Der Wulff, die Schuhe und ganz viele Kinder

Von Markus Richter

Zehn Zentimeter über Normal Null. Ganz locker. Carmela Göpel hat lange überlegt, welche Schuhe sie anzieht, wenn sie den Ministerpräsidenten trifft. Die mit Plateau und hohem Absatz sind zweifellos schick – aber offenbar die falsche Wahl. Die Gewinnerin des Sommerabenteuers der Neuen Deister-Zeitung hat nicht geahnt, dass ein Mann in der Position Christian Wulffs so viel zu Fuß gehen muss.

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Von Markus Richter

Zehn Zentimeter über Normal Null. Ganz locker. Carmela Göpel hat lange überlegt, welche Schuhe sie anzieht, wenn sie den Ministerpräsidenten trifft. Die mit Plateau und hohem Absatz sind zweifellos schick – aber offenbar die falsche Wahl. Die Gewinnerin des Sommerabenteuers der Neuen Deister-Zeitung hat nicht geahnt, dass ein Mann in der Position Christian Wulffs so viel zu Fuß gehen muss.

Es ist 7.41 Uhr. Die Welt von Carmela Göpel ist noch Wulff-frei, das politische Interesse eher minimal. Aber die Vorfreude ist groß. Mit der Bahn geht’s von ihrem Heimatort Bennigsen über Hannover ins Emsland. An der holländischen Grenze steht Deutschlands größter Blumenladen, „Emsflower“. Hier, auf dem flachen Land, werden der charismatische Landesvater und die entdeckungsfreudige Kosmetikerin zum ersten Mal aufeinander treffen.

Dann ist es soweit, er rollt majestätisch vor, der silberne Bus, auf dessen Seiten das riesige rote Landeswappen mit weißem Ross prangt. Dabei sind Journalisten von Printmedien, Fernsehen und Agenturen, Mitarbeiter der Staatskanzlei und Zivilpolizisten. Der Christdemokrat stand nie so im Fokus wie in diesen Tagen. Mittwoch wird er wahrscheinlich in das höchste politische Amt Deutschlands gewählt. Doch zuvor ist er von Holländern umringt. Ein Baum wird gepflanzt, eine Rede gehalten, Hände werden geschüttelt.

Ganz Staatsmann und Vater: Wulff spricht mit Migrantenkindern.
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Zu Besuch bei den Schäfern im Diepholzer Hochmoor.
  • Zu Besuch bei den Schäfern im Diepholzer Hochmoor.
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Carmela Göpel folgt der Delegation durch die Produktion. Nach fünf riesigen Hallen hat der MP die NDZ-Leserin fast abgehängt. „Jetzt ziehe ich die Schuhe aus“, sagt die 45-Jährige entschlossen. Sieben weitere Hallen später ist sie froh darüber. Wulff zeigt sich indes interessiert an den 300 Millionen Blumen pro Jahr und weiteren Superlativen. Die tropischen Temperaturen zwischen Tomaten und Stiefmütterchen lassen den Landesvater äußerlich cool. Eine Stunde, ein paar Autogramme und eine Handvoll Tapas später betritt die Bennigserin den Luxus-Bus. Sportsitze, von innen verdunkelte Scheiben, frisches Obst und gekühlte Getränke lassen sie Teil werden einer Familie, der an nichts mangelt.

„Das war echt anstrengend eben“, sagt sie und zieht die Schuhe wieder an. Der Politiker sitzt jetzt in der letzten Reihe, mittig, studiert Zeitungsartikel. „Ich muss ja den Überblick behalten“, sagt er und lädt Carmela Göpel ein, exklusiv neben ihm Platz zu nehmen. Themen sind schnell gefunden, vor allem eines: die sechs Kinder der Bennigserin. Wulff staunt, erzählt von einer Freundin, die fast ebenso viel Nachwuchs in die Welt gesetzt hat und von seinen eigenen Kindern. Und er berichtet von Unterschieden zwischen ihm und anderen Spitzenpolitikern. Über bunte Fotos in allen erdenklichen Situationen ärgert sich der MP nicht. Sagt er. Auch nicht, wenn Gegenkandidat Gauck als ernster und er als Politiker mit Spaß an seiner Arbeit verkauft werde. „Gerhard Schröder hätte sich nie auf einer Rolltreppe fotografieren lassen – aus Angst, die Zeitungen schreiben, es ginge abwärts mit der Regierung.“

„Genau so habe ich ihn mir vorgestellt“, strahlt die glückliche Sommerabenteurerin im Anschluss. Das Schuh-Problem drückt längst nicht mehr. „Ich bin beeindruckt.“ Als Schönheitsexpertin kommt sie nicht umhin, auch das Äußere des MPs zu begutachten. So ganz aus der unmittelbaren Nähe. „Ich hab noch nie so ein gepflegtes Gesicht gesehen – und ich spreche als Fachfrau.“ Und da blitzt es wieder auf, das Lieblingsschwiegersohn-Image des Herrn Wulff.

Das zweite Ziel des Tages rückt näher. Inzwischen ist es Mittag. In Wulffs Heimatstadt Osnabrück haben Mitarbeiter eines Vereins für pädagogische Arbeit mit Migrantenkindern ein Sommerfest ausgerichtet. Jugendliche stellen sich vor, erzählen von sprachlichen Defiziten, von Integration mithilfe des Vereins und von ihrer Heimat. Carmela Göpel lauscht interessiert. Als sie mit ihren Eltern von Sizilien nach Deutschland kam, war sie zwei Jahre alt. „Ich kenne das Problem mit der Sprache. Meine Eltern konnten nicht so gut Deutsch.“ Die langjährige NDZ-Leserin begleitet den Landesvater auf den Hof des Vereinshauses, steht am Buffet neben ihm, genießt exotische Köstlichkeiten, die Familien aus vielen Ländern für den feierlichen Anlass vorbereitet haben.

Der Zeitplan ist straff. Auch wenn Wulff jedes Gespräch annimmt, nie wirkt er gehetzt oder gestresst. Es geht nach Vechta. Im Bus tippen die Agenturschreiber ihre Berichte. Alles ist hoch technologisiert, eine neue Welt für die selbstständige Kosmetikerin. Die Medienmacher erklären ihren Job, finden es vollkommen okay, dass der Bus für RTL stoppt, weil der Sender gerne ein Interview in der freien Natur machen will. Immer wieder nimmt sich auch Wulff Zeit für ein paar nette Worte.

Unter dem Dach der Firma „Rig-Solutions“ produzieren Firmen für die Erdölindustrie. Hunderte von Besuchern sind da. Carmela Göpel genießt das Gefühl, aus dem Bus auszusteigen und die Leute winken zu sehen. „Das finde ich schön“, sagt sie lachend.

Dann: Kontrastprogramm. Natur pur im Landkreis Diepholz. Der Bus schlängelt sich auf dem einzigen befestigten Weg durch die Idylle des Hochmoors. Schäfer Mathias Dreyer steigt zu, erklärt, was es mit den Schnucken auf sich hat und dass er fürs Abendessen zwei Tage lang Curry-Sauce ins Lamm-Fleisch einziehen hat lassen. Die Schäferei Ulenhof ist letzte Station. Wulff ergreift auf dem Weg dorthin das Mikrofon, dankt seinen Begleitern, mit denen er teilweise den vierten Tag hintereinander unterwegs ist. Auf dem Weg nach hinten schüttelt er Carmela Göpels Hand.

Anschließend trinken beide nach dem Abendessen in einer gepflegten Landscheune ein gemeinsames Gläschen. Carmela Göpel Weißwein, Christian Wulff Wasser. Seinen Wahlkampf setzt er am nächsten Morgen in Bayern fort. In gelöster Stimmung geht es zurück nach Hannover. Um 22.30 Uhr ist der lange Sommerabenteuertag zuende. Die NDZ-Leserin freut sich auf ihre Lieben daheim. Und darauf, ihnen zu berichten, wie der MP so drauf ist.

Nicht auszuschließen, dass die beiden eines Tages doch noch einmal in Kontakt kommen: Der Bundespräsident übernimmt schließlich die Patenschaft für das siebte Kind…

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