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96-Idol Jörg Sievers wohnt mit seiner Familie in Lüdersen – und fühlt sich richtig wohl

Der Privat-Torwart

Lüdersen. Jörg Sievers hatte die Orientierung verloren. Es war das Jahr 2011, und der Torwart-Trainer von Hannover 96 suchte mit seiner Frau ein Haus. Über Bad Münder war die Familie mit dem Makler schließlich an Lüdersen herangefahren. „Ich wusste nach einer Weile nicht mehr, wo genau ich bin“, sagt Sievers heute und lacht. Zurück im Auto macht Sievers das Navigationsgerät an: „Ich gebe unsere Heimatadresse in Hannover ein und dann steht da: 13,5 Kilometer.“ Kann nicht sein, denkt er: „Eigentlich kennst du doch hier alles.“

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VON CHRISTIAN ZETT

Die Lücke hat der frühere Bundesliga-Profi mittlerweile geschlossen: Seit über zwei Jahren wohnt er mit seiner Familie in Lüdersen. Und fühlt sich richtig wohl. Nach der Geburt der Tochter vor drei Jahren war die gemeinsame Wohnung in Ricklingen zu klein: „Wir haben gedacht: ein eigenes Haus, ein eigener Garten – das wäre schön“, sagt Sievers. Am liebsten auf dem Land – wo der 47-Jährige und seine Frau auch aufgewachsen sind.

Sievers sitzt an einem sonnigen Nachmittag in dieser Woche auf der Terrasse, trinkt Kaffee und blickt über die Wiesen und Wälder am Süllberg. Ein bisschen wirkt das wie eine Ferienidylle irgendwo in den Alpen: „Wenn man von der Arbeit kommt, ist das wie Urlaub“, sagt der Fußballer. Beruflich ist die Lage am Rande des Stadtgebiets ideal: Zum Training bei Hannover 96 braucht Sievers etwa zwanzig Minuten.

Aber auch sonst schätzt er das Leben im Bergdorf: Streifzüge mit dem Hund durch die Wälder, ein Plausch mit den Nachbarn: „Das ist sehr angenehm hier, alle sind nett.“ Beim Osterfeuer oder dem Maibaumfest ist die Familie gerne dabei. Die Kinder hat das Ehepaar gerade erst getauft – in Bennigsen, beim Freiluftgottesdienst.

Dass es in Lüdersen kaum Infrastruktur gibt, stört Sievers nicht: „Wir fahren einfach den Berg runter nach Bennigsen. Da gibt es wirklich alles.“ Und die Springe-Welt des Torwarts hört im Nachbarort nicht auf: „Wir sind natürlich eher nach Hannover orientiert“, sagt er – aber auch Eldagsen oder Gestorf sind ihm nicht fremd: „Ich war noch nicht in allen Ortsteilen. Aber Springe kenne ich schon.“

In Lüdersen ist die Familie angekommen, das merkt man, wenn man mit Sievers spricht. Der Nachwuchs geht in den örtlichen DRK-Kindergarten: „Auch darüber lernt man Leute kennen“, sagt Sievers. Frau und Kinder sind außerdem Mitglied in der Sportgemeinschaft: „Die haben ein wirklich gutes Angebot für die Größe des Orts.“ Mit dem sehr aktiven Förderverein haben Sievers‘ geliebäugelt: „Aber wir sind einfach noch nicht dazu gekommen.“

Das gilt auch für den Kick auf dem Bolzplatz des Dorfs: Einladungen habe er schon bekommen, sagt der 47-Jährige – nur die Zeit, die fehlt ihm eben. Da sind nicht nur die Familie und der Trainerjob. Sievers ist auch einer von zwei Geschäftsführern einer Anlageberatungs-Firma. Umso mehr schätzt er die Ruhe im kleinen Lüdersen. Dass ihn mal jemand auf der Straße anspricht, ist „eher die Ausnahme“. Und wenn er denn mal nicht erkannt wird, „dann ist das auch nicht schlimm – je privater ich hier bin, desto besser“.

Ganz ausblenden kann er den Fußball zuhause nicht – aber das will Sievers auch gar nicht: „Natürlich ist das ein Thema. Ich habe sehr viel Glück, dass ich diese Arbeit machen darf. Und es gehört eben auch zu mir dazu.“ Genau wie sein wohl größter Karrieremoment: Am 23. Mai 1992 holt Hannover 96 den DFB-Pokal, im Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach. Sievers wird zum Helden des Abends: Er pariert zwei Elfmeter und sichert so den Titel für den damaligen Zweitligisten. Dass diese Momente seine lange Karriere überragen, ist in Ordnung, sagt Sievers: „Mit Erfolgen wird man groß gemacht und gefeiert. Also stört es mich auch nicht, wenn die Leute oft darauf kommen. Aber ich habe es auch nicht auf meiner Visitenkarte stehen.“

Nur eins hat Sievers in Lüdersen noch nicht gefunden: einen weiteren Fan des FC Bayern München. Seit seiner Kindheit in der Lüneburger Heide ist er Anhänger des Klubs. Als Sievers aufwuchs, waren die Bayern und Mönchengladbach die großen Teams: „Bei uns im Ort gab es einen, den mochte ich nicht. Der war aber Gladbach-Fan – da blieben mir nur die Bayern.“ Seine Unterstützung versagt er nur selten – natürlich, wenn es gegen Hannover 96 geht.

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