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Landwirte wünschen sich mehr Wärme / Mit Niederschlag zufrieden

Der kalte Mai verzögert die Ernte: Bauern sehen Situation gelassen

Springe (jemi). Trotz der ungewöhnlich kalten Tage und Nächte im Mai sehen die Landwirte nur wenig Probleme für die Ernte in dieser Saison. Die starke Feuchtigkeit in den vergangenen Wochen stimmt die Bauern sogar zufrieden.

Die Springer Landwirte machen sich nur wenig Sorgen um den hier

Ortslandwirt Klaus Siebert wünscht sich für die kommenden Tage aber eindeutig „mehr Wärme“. Er baut Zuckerrüben, Raps und Weizen an und schätzt, dass die Ernte deutlich später beginnen kann. „Ich erledige jetzt Arbeiten, die ich vor einem Jahr genau zwei Wochen früher gemacht habe.“

Bezirkslandwirt Wilhelm Niedermeier sieht in der verzögerten Wachsgeschwindigkeit des Getreides sogar einen Vorteil. Angelehnt an die alte Bauernweisheit „Ist der Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun‘ und Faß“ hofft er, dass der Ertrag noch gesteigert werden kann. „In diesen Situationen, wie wir sie jetzt erleben, bleibe ich eigentlich immer sehr gelassen“, sagt Niedermeier. Die Grundstimmung bei seinen Kollegen sei ähnlich locker, berichtet der Bezirkslandwirt. „Einige werden immer etwas schneller nervös, aber die meisten machen sich keine ernsthaften Sorgen. Die Voraussetzungen für eine gute Ernte seien auf jeden Fall gegeben. Wenn die Nächte mindestens zehn Grad aufweisen und am Tag knapp 20 Grad in den nächsten Tagen herrschen, könnte die Natur den Rückstand eventuell sogar noch aufholen, vermutet er.

Biobauer Friedrich Bartels berichtet, dass der Regen auch für das Wachstum seines Gemüse positiv sei. Nur die extrem Wärme liebenden Pflanzen wie Zuckerrüben hätten in den vergangenen beiden Wochen gelitten. Bartels schätzt, dass auch die Erdbeeren etwa 14 Tage später als gewöhnlich geerntet werden können. Wichtig sei allerdings gewesen, dass es keinen Frost mehr gegeben habe. Denn die schützenden Folien dürfen jetzt nicht mehr angewendet werden. „Die Erdbeeren müssen wegen der Befruchtung durch Insekten frei liegen“, erklärt der Biobauer. „Anfang Juni müssten die ersten Erdbeeren dann reif sein“, sagt er. Bartels mache das Wetter außerdem nur wenig Sorge, weil er viele verschiedene Kulturen angebaut habe – mit unterschiedlichen Bedürfnissen: „Meine Philosophie ist es, sich nicht auf eine Sorte zu fixieren, sondern flexibel zu sein.“

Auch Reinhard Kickel gibt Entwarnung. „Die kühleren Tage im Mai sind nach der sehr warmen Periode im April gar nicht schlecht.“ Durch die Sonneneinstrahlung im vergangenen Monat seien die Zellen in den Pflanzen weichen geworden und seien damit labiler. Durch den Kälteschock hätten sich die Zellen wieder verhärtet. Das Getreide hat seiner Meinung nach also keinen Schaden genommen. Die Wintergerste sei das erste Getreide, das geernet wird. Kickel rechnet damit, dass die Gerste Mitte Juli fertig gereift ist. Dieser Zeitraum sei aber völlig normal.

Einziger Nachteil der derzeitigen Kälte sei, dass das Gras deutlich langsamer wachse. Dieses wird nach der Ernte seliert, also konserviert, und als Winterfutter für die Tiere genutzt. Aber auch das Problem sei nicht bedrohlich.

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