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Friedrich Bartels bewirtschaftet einen der wenigen Biohöfe im Umkreis – mit eigener Philosophie

Der Exot im Hühnerstall

Springe. Jeder fünfte Bauernhof in Österreich trägt das Bio-Siegel. In Deutschland sind es sechs Prozent, in Niedersachsen gerade einmal drei Prozent. Im Süden Hannovers liegt die Quote bei weniger als einem Prozent. In Springe ist Landwirt Friedrich Bartels ein Alleinkämpfer – obwohl bio beim Verbraucher im Trend liegt.

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Die Türen des Eschenshofs an der Industriestraße sind weit geöffnet; für jeden Interessierten. Bartels Familienbetrieb ist einer der 200 deutschen Öko-Höfe, die vom Landwirtschaftsministerium als Demonstrationsbetrieb ausgewählt worden sind. Obendrein gehört Bartels zu den 80 Delegierten des deutschen Biolandverbandes, die die für alle Kollegen geltenden Richtlinien festlegen.

Um so mehr trifft es ihn, wenn ein Lebensmittelskandal die Branche erschüttert. Die deutschen Bauern würden ihre Arbeit sehr gut machen, sagt Bartels. Aber: Die strengen Bioland-Vorgaben gelten nicht für das europäische Biosiegel. Ein Beispiel: Während Bartels höchstens 3000 Hühner pro Stall halten darf, sind in Nachbarländern bis zu 24 000 Legehennen pro Stall erlaubt.

„Die EU-Standards sind nicht ausreichend“, sagt Bartels deshalb. Sein Herz schlage ökologisch. Im Zweifelsfall sei es ihm aber lieber, wenn sich Verbraucher für Produkte aus der Region entscheiden: „Für Lebensmittel, die ein Gesicht haben, die ohne weite Transportwege auskommen und von Kollegen stammen, die hier sozialversichert sind und Verantwortung für ihr Land und ihre Tiere übernehmen.“ Die Ökobilanz solcher Waren sei unterm Strich besser als die von Bio-Kartoffeln aus Ägypten.

Bartels hat vor 27 Jahren den bis dahin verpachteten Eschenhof seiner Familien übernommen. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit dem ökologischen Landbau. Von den Grundsätzen ist er bis heute überzeugt. Seine gut 2000 Legehennen haben deutlich mehr Platz als vorgeschrieben und können draußen scharren, picken und im Staub baden. Ihre Verfassung sei dadurch so gut, dass im Jahresverlauf nur drei Prozent der Hühner sterben. In konventionellen Betriebe beträgt der Verlust laut Bartels zehn Prozent – trotz Antibiotika. Der Biolandwirt verzichtet komplett auf Medikamente; von Anfang an. „Das geht“, sagt er, „wenn die Tiere artgerecht gehalten werden.“

Selbst große Mastbetriebe könnten mit seiner Philosophie „weniger Tiere und viel Außen-Auslauf“ viel verändern. Der Verbraucher müsse dann aber bereit sein, zehn Cent mehr fürs Ei und einen um 20 Prozent höheren Fleischpreis zu bezahlen.

Bartels nutzt jede Gelegenheit, um im Kollegenkreis für seine Ideen zu werben. Die Kunden muss er dagegen nicht begeistern. Die Wochenmarktstände in Springe, Bad Münder und Gehrden sind umlagert, auch im Laden auf dem Eschenhof herrscht reger Betrieb. Gibt es einen Lebensmittelskandal, ist schlagartig noch mehr los: „Dann werden uns die Sachen für ein paar Wochen aus den Händen gerissen, und die Stammkunden kommen zu kurz.“ Nachproduzieren kann er im Regelfall nicht. Bio hat Grenzen – vor allem im Süden der Region Hannover.

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