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Ein Springer ist Geschäftsführer des Projekts, das die Lutherbibel neu herausbringt

Der Bibelmacher

Springe. Brille, grauer Pullover, darunter ein weißes Hemd und darüber ein roter Schlips – Jürgen-Peter Lesch ist ein Mann, dem jeder gern eine Versicherung abkaufen würde. Der 64-Jährige verkauft aber keine Versicherungen, sondern ist Geschäftsführer des Lutherbibel-Revisionsprojekts.

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Springe. Brille, grauer Pullover, darunter ein weißes Hemd und darüber ein roter Schlips – Jürgen-Peter Lesch ist ein Mann, dem jeder gern eine Versicherung abkaufen würde. Der 64-Jährige verkauft aber keine Versicherungen, sondern ist Geschäftsführer des Lutherbibel-Revisionsprojekts: Pünktlich zum Reformationsjubiläum bringt die Evangelische Kirche Deutschland eine überarbeitete Version der Bibelübersetzung des Reformators heraus.

Und alle Fäden laufen bei Lesch zusammen. „Wir haben uns 82 Mal in verschiedenen Gremien getroffen“, sagt er. Eine Menge Arbeit für 70 Experten: Exegeten und Germanisten, Dogmatiker, Kirchengeschichtler und Pastoren. Über fünf Jahre lang haben sie an der neuen, alten Bibel gearbeitet, ehrenamtlich.

Neue und alte Sprache zu vereinen, das ist erklärtes Ziel der Bibelrevision: „Bei bisherigen Lutherbibel-Versionen haben sich die Autoren immer gefragt, ob man heute noch so spricht, wie Luther einst übersetzte“, erläutert Lesch. Bei der neusten Version gehen die Experten anders an das Thema heran: „Wir fragen, ob man Luther heute noch versteht.“ Und wenn der Reformator in der Original-Version verständlich ist, dann bleibt alles so, wie Luther es in der Wartburg einst aufgeschrieben hat.

  • Noch mit der alten Lutherbibel: Jürgen-Peter Lesch lebt in Springe und koordiniert die Revision der Lutherbibel. Mischer

Im Regal in Leschs Arbeitszimmer am Deisterhang stehen Bücher, Bücher, Bücher; Theologische Werke, darunter die Septuaginta, eine Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel. Auch deren Revision, also Überarbeitung, hat der Springer als Geschäftsführer koordiniert. Aber die Septuaginta ist eher ein Werk für Theologie-Experten.

Die Revision der Luther-Bibel ist da ein anderes Kaliber – und die öffentliche Aufmerksamkeit ungleich größer; immerhin soll ihr Erscheinen den Startschuss für das Lutherjubiläum 2017 geben. Am 19. Oktober 2016 ist der Erstverkaufstag für die revidierte Lutherbibel 2017, am 30. Oktober wird sie in einem festlichen Gottesdienst in Eisenach den Gemeinden übergeben. Lesch rechnet mit einer Auflage von 300 000 Exemplaren.

Ein Großteil der Arbeit des Springers bestand darin, die Treffen der Expertengruppen und des Lenkungsausschusses zu koordinieren. „Das muss man sich als großen Diskurs vorstellen, bei dem jeder Experte seine Meinung darlegt, die dann diskutiert wird.“ Viel Kommunikation fand aber auch schriftlich statt: Die Bibelkenner machen Vorschläge, wie der Text geändert werden könnte – und jeder Vorschlag wird kommentiert. Und irgendwie einigen sich dann alle auf einen Kompromiss.

Lesch: „Das hat wirklich klasse funktioniert, auch zwischen älteren Professoren und ganz jungen Kollegen. Wo man denken könnte, dass es da Rivalitäten gibt, gab es überhaupt keine Probleme.“ Jetzt ist die Arbeit – fast – gemacht. Der Text steht, Lesch hält die Druckfahne in der Hand. Gestaltet werden noch die Karten und die Zeittafeln, die in einer Lutherbibel traditionell abgedruckt werden. Andruck soll im Juni sein.

„Ich freue mich auf jeden Fall, wenn die Bibel fertig ist.“ Im Februar plant der Springer dann noch ein Treffen mit katholischen Kollegen – auch dort wird eine Revision erwartet. Nach diesem ökumenischen Gedankenaustausch wird Lesch in Pension gehen. Die neue, seine Lutherbibel, wird dann, wenn alles gut läuft, mindestens 30 Jahre lang Bestand haben.

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